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Parkinson

Die Parkinson-Erkrankung, deren Ursache zum großen Teil heute noch unbekannt ist, beginnt meist schleichend und zunächst für den Patienten kaum merklich. Verlangsamte Bewegungen, Muskelsteifigkeit, Schulter-Arm-Schmerzen, verkleinerte Handschrift, Vergesslichkeit, Kribbeln, Zittern oder eine Riechstörung – alle diese Symptome können bei einer Parkinson-Erkrankung auftreten.

Neurologisch bedingte Bewegungsstörungen und Morbus Parkinson als ihr Hauptvertreter zählen in der Neurologie zu den häufigsten Erkrankungen. In Deutschland leiden über 300.000 Menschen an der Parkinson-Krankheit. Die Neurologische Klinik Bad Neustadt ist seit 2004 Regionalzentrum im Kompetenznetz Parkinson – dies steht für einen anerkannten diagnostischen und therapeutischen Standard. Das Netzwerk dient der Registrierung, Koordinierung und klinischen Forschung für die Parkinson-Patienten in Deutschland. Unser interdisziplinäres Team hat sich auf die Problematik Parkinson-Erkrankter spezialisiert. Die zuständigen Ärzte sind Mitglieder der International Parkonson’s Disease and Movement Disorder Society, der Deutschen Parkinson Gesellschaft (DPG) und der Deutschen Parkinson Vereinigung (dPV). Mit der dPV besteht eine Kooperation mit regelmäßiger ärztlicher Betreuung der regionalen Selbsthilfegruppen.

Bei der Parkinson-Erkrankung sind bestimmte Gebiete des Gehirns, insbesondere die Basalganglien, betroffen, die an der Kontrolle der willkürlichen und unwillkürlichen Bewegung beteiligt sind. Die langsame Degeneration von Zellen der Substantia nigra (Schwarze Substanz) verursacht einen Mangel des Botenstoffes Dopamin im Gehirn. Dieser Mangel führt zu den klassischen Symptomen der Krankheit: Bewegungsarmut, Zittern in Ruhe, Muskelsteifheit und Gang- oder Gleichgewichtsstörungen. Erste Symptome haben die Patienten, wenn über 50 Prozent der Nervenzellen zerstört sind.

Bei Verdacht auf Parkinson ist die exakte klinische Diagnose ausschlaggebend für eine bestmögliche Therapie. Bei der Aufnahme in unsere Klinik erfolgt zunächst eine ausführliche Befunderhebung. Bei der neurologischen Untersuchung suchen wir nach den motorischen Grundsymptomen wie:

  • Brady- oder Akinese (Verlangsamung und Verarmung der Bewegungen)
  • Ruhetremor (Ruhezittern)
  • Rigor (Steifheit der Muskulatur)
  • Störung des Gleichgewichts
  • Riechstörung

Mit einer Computertomographie des Gehirns lassen sich Krankheiten ausschließen, die Parkinsonähnliche Symptome verursachen, aber einer ganz anderen Behandlung bedürfen.

Unsere weitere Diagnostik umfasst die zerebrale Bildgebung (Computertomographie des Schädels oder Kernspintomographie des Schädels), die Labordiagnostik sowie neurophysiologische Messungen der zentralen Bahnsysteme und der Kreislauffunktionen. Die Therapien führen wir entsprechend den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie durch und ergänzen sie mit Physiotherapie, Ergotherapie, physikalischer Therapie sowie ggf. mit logopädischer und neuropsychologischer Therapie in Einzel- und Gruppenbehandlungen. Zusätzlich stehen ein Bewegungsbad, ein Laufband und ein Ergometer zur Verfügung. Alternativ zur stationären Behandlung kann eine ambulante prästationäre Abklärung in der Ambulanz für Bewegungsstörungen vorgeschaltet werden, um eine eventuelle stationäre Behandlungs- oder Diagnosebedürftigkeit zu klären. Die Dauer einer stationären Behandlung richtet sich nach der Schwere und der Anzahl der motorischen und nicht-motorischen Störungen. Seit 2009 gibt es die Möglichkeit einer Parkinson-Komplexbehandlung. Die Indikation hierzu wird vom ärztlichen Aufnahmeteam in unserer Klinik gestellt. Sie wird über drei Wochen durchgeführt und ermöglicht eine intensive Betreuung und Behandlung von motorischen und nicht-motorischen Aspekten der Parkinson-Patienten, wie sie auch in den Parkinson-Fachkliniken durchgeführt wird. Alternativ kann nach einer akutstationären Behandlung eine neurologische Rehabilitation beantragt  werden. Ergänzend kann im Falle von Mehrfacherkrankungen eine kardiologisch-internistische, urologische, diabetologische und psychosomatische Mitbehandlung erfolgen.

Bei der Aufnahme in die Klinik informieren wir unsere Patienten auch über den weiteren Ablauf. Während des stationären Aufenthaltes erhält der Patient ein individuell zusammengestelltes Programm mit medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien. Jeder Patient erhält auch ein Bewegungsprotokoll, in das er täglich sein individuelles Bewegungsprofil eintragen kann. So können bei der täglichen Visite ganz gezielt und individuell die notwendigen Medikamente und Therapien angepasst werden. Um die Lebensqualität unserer Patienten zu verbessern, berücksichtigen wir auch die nicht-motorischen Krankheitsaspekte. Diese sind im Wesentlichen der Schlaf, Schmerzen sowie autonome (Urogenital, Gastrointestinal, Blutdruckregulation) und neuropsychiatrische Störungen (Depressionen, Angst, Psychose, Demenz). Für alle Fragen zur Erkrankung stehen die Ärzte, die Parkinson-Nurse und die Abteilung für Sozialarbeit zur Verfügung. Wir behandeln Patienten in allen Stadien der Erkrankung.

Als Klinikbesonderheit werden geeignete Patienten individuell für eine Apomorphin-Pen- oder -Pumpenapplikation oder auf eine Dopamin-Pumpentherapie eingestellt. Die Indikationsstellung, Stimulatoreinstellung oder Kontrolle für die operative Parkinsontherapie mit Tiefenhirnstimulation wird in unserer Klinik durchgeführt. Im Falle einer Operation besteht eine Kooperation und Zusammenarbeit mit den Neurologischen Kliniken der Universitäten Würzburg und Marburg.

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