Herausforderung angenommen

UND MIT BRAVOUR GEMEISTERT

Auszubildende der Be­rufs­fach­schule für Pflege haben am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt eine Station in Eigenregie üb­er­nommen.

Eine Woche lang haben die Auszubildenden der Berufsfachschule für Pflege am Campus den Ernstfall geprobt.

Am Morgen des 5. März liegt auf der Station B3.2 eine besondere Spannung in der Luft. Ein junges Pflegeschüler-Team ist um 6 Uhr zum Dienst angetreten. Nach der Übergabe, der Besprechung zu jedem einzelnen Patienten, verteilen die Auszubildenden, die ab diesem Moment eine Woche lang für rund 30 Patientinnen und Patienten der Akutneurologie und Neurochirurgie verantwortlich sind, alle anfallenden organisatorischen und pflegerischen Aufgaben unter sich. Projektstart

Die Idee zu diesem Ausbildungs-Projekt „Schüler übernehmen eine Station“ hat­ten die Leiterin der Berufsfachschule für Pflege der RHÖN-KLINIKUM AG am Cam­pus, Katrin Manzau, zusammen mit der angehenden Pflegepädagogin, Lena Hodermann. Ziel dieses Projekts war es, Auszubildenden die vielfältigen Aufgaben einer examinierten Pflegekraft näher zu bringen, indem sie Patienten selbst­stän­dig betreuen, pflegen und alle wichtigen Entscheidungen treffen. Dazu gehören auch die organisatorischen Aufgaben einer Stationsführung zu übernehmen, den Gesamtüberblick zu behalten und sich die eigene Zeit sowie vorhandenen Ressourcen einzuteilen. Die Geschäftsführende Direktorin, Sandra Henek, Chefärzte und Pflege­kräfte des Campus hatten die Idee von Anfang an unterstützt.

Auch Dr. med. Hassan Soda, Chefarzt der Klinik für Akutneurologie / Stroke Unit und neurologische Intensivmedizin am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neu­stadt, ist stolz auf die Pflegekräfte von morgen. Er freut sich, dass das Konzept auch den Ärzten die Möglichkeit gibt, in direkten Kontakt mit den Auszubildenden zu treten. „Die Abläufe waren her­vor­ragend ausgearbeitet und die jungen Pflegekräfte hoch motiviert. Die sta­tio­nären Patienten kamen in den Genuss einer besonders intensiven Versorgung“, so Dr. Soda.

Aufeinander verlassen können

Um die Vielfalt der neuen Aufgaben be­wältigen zu können, mussten die Aus­zu­bil­den­den der Abschlussklasse erstmalig als Team zusammenarbeiten. Aus­zu­bil­dende Sina Mayer (20) berichtet:

„Es war gewöhnungsbedürftig zusammen zu arbeiten. Wir mussten uns aufeinander einlassen, um uns aufeinander verlassen zu können.“

Sina Mayer (20)

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Um die Sicherheit der Patienten zu jedem Zeitpunkt des Projektes zu gewährleisten, wurden die Schüler zu jeder Zeit von ei­ner Praxisanleiterin, einer Lehrkraft oder der Stationsleitung begleitet. Lena Hodermann: „Wir waren nur im Hin­ter­grund, haben beobachtet und standen in allen Situationen beratend zur Seite.“

In Arbeitsgruppen haben sich die Aus­zu­bildenden auf das Projekt vor­bereitet: der Dienstplan musste er­stellt, die Abläufe der Dienste geplant werden, Checklisten für Aufnahme und Entlassung der Pa­tien­ten wurden vor­bereitet und Be­schäf­ti­gungs­an­gebote für die Patienten in der „besuchsarmen“ Corona-Zeit erarbeitet.

­Rasche Fortschritte

Diese besondere Generalprobe für die im Sommer anstehenden Ab­schluss­prü­fun­gen hat sich gelohnt. „Ich war vorher trotz der Vorfreude auch richtig aufgeregt“, sagt Sina. „Die Orga­nisation war am Anfang schon schwierig. Man merkt nor­ma­lerweise gar nicht, was die Pfle­ge­kräf­te alles mit­denken und im Hintergrund ma­nagen. Aber von Tag zu Tag haben wir das besser hinbekommen.“ Pflegeschüler Leon Müller (19) ergänzt:

Wir haben die Schichten für uns vorab durchstrukturiert, damit wir nichts vergessen.

Leon Müller (19)

Die raschen Fortschritte blieben nicht unbemerkt. „Es war spannend zu er­le­ben, wie die Schüler schon innerhalb kürzester Zeit ihre Kompetenzen stei­gerten“, berichtet Lena Hodermann. „Zwei Tage nach Projektbeginn stand da ein umfassend kompetentes Team auf Station. Ich war wirklich stolz.“ Auch Katrin Manzau ist begeistert: „Mit der Anfangsaufregung war alles noch ein bisschen unstrukturiert. Aber schon am nächsten Tag klappten Absprachen, wurde gezielt agiert und die Gruppe hat gut zusammengearbeitet.“ Projekt wird fest etabliert

Am Ende waren alle sogar ein bisschen traurig, dass die Woche schon vorbei war. „Wir haben viel positives Feedback be­kommen und sind sehr dankbar, dass wir die Möglichkeit bekommen haben“, sagt Leon. Das Projekt wird kein Einzel­fall bleiben und soll fest etabliert werden. Denn, so Manzau und Hodermann unisono: „Wir wissen, dass unsere Aus­zubildenden im dritten Jahr sehr kom­pe­tent sind. Dass sie dies jetzt in der eigen­ständigen Patien­ten­ver­sor­gung und Stationsorganisation unter Beweis stellen konnten und dafür von allen Seiten Lob erhalten haben, stärkt ihr Selbst­be­wusst­sein und die Motivation, den Pflegeberuf zukünftig mit Leidenschaft auszuüben.“