Parkinson-

NICHT HEIL-, ABER BEHANDELBAR

Wohl für jeden Betroffenen ist die Diagnose nicht leicht zu verarbeiten. Auch Günther Schmitt erging es so. Heute ist er überzeugt: „Ich habe noch gute Jahre vor mir.“

Wie das Leben mit Morbus Parkinson weitergeht, erfährt Günther Schmitt seit gut einem halben Jahr am eigenen Leib. Vom initialen Diagnose-Schock hat er sich erholt, schaut heute zuversichtlicher in die Zukunft. Vor allem dank aus­ge­feil­ter, medikamentöser Behandlung und kürzlich bewältigter, intensiver Kom­plex­therapie in der Klinik für Akutneurologie / Stroke Unit und neurologische Inten­siv­medizin am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt. Die Klinik ist Teil des deutschlandweiten Kompetenznetzes Parkinson.

Die Parkinson-Komplextherapie stellt in Deutschland eine multimodale, stationäre Behandlungsmöglichkeit für Patienten mit einem idiopathischen oder einem atypi­schen Parkinson-Syndrom dar, welche die ambulanten und akut-stationären Be­handlungs­mög­lich­kei­ten ideal ergänzt. Durch die hohe Therapieintensität und Multidisziplinarität der Be­hand­lung können sowohl motorische als auch nichtmotorische Probleme der Patienten di­fferen­ziert behandelt und in den meisten Fällen eine Verbesserung des Funktionsniveaus erreicht werden.

Was ist die Multimodale Komplexbehandlung?

Die Multimodale Komplexbehandlung bei Morbus Parkinson verbindet eine medi­kamentöse Therapie mit Elementen aus Physiotherapie und physikalischer Therapie, Sport- und Ergo­therapie, Musiktherapie, Neuropsychologie und Logopädie. Der Therapieplan wird immer individuell zusammengestellt und richtet sich nach den Bedürfnissen des ein­zel­nen Patienten und nach dem Schwere­grad bzw. dem Stadium der Erkrankung.

Für G‘sundheit erzählt Günther Schmitt von seinem Umgang mit der Erkrankung, seine Aus­sagen ergänzt der Oberarzt der Neurologie und Experte auf dem Gebiet neurologischer Be­we­gungs­störungen, Dietrich Hartmann.

„Die klinische Diagnose ist ausschlaggebend für die bestmögliche Therapie dieser über lange Jahre sehr gut behandelbaren Erkrankung.“

Dietrich Hartmann

Wenn die Symptome nicht mehr zu übersehen sind

Günther Schmitt gehört der Kategorie „typischer idiopathischer Parkinson-Patient“ an: männlich, zwischen 50 und 70 Jahre alt, keine familiäre Er­kran­kungs­vorgeschichte, normale Umweltfaktoren. Wann sich die Krankheit zum ersten Mal gezeigt, wann der leichte Tremor in seiner rechten Hand angefangen hat, kann der 63-Jährige nicht mehr exakt angeben. „Aber im vergangenen Jahr war er auf einmal nicht mehr zu übersehen.“ Beruflicher Stress als Auslöser konnte es nicht sein, so der gelernte Kfz-Mecha­niker, „ich war ja schon in Altersteilzeit“. Außerdem trat das Zittern selbst im Ruhezustand auf, bei Aufregung oder emotionaler Anspannung sogar verstärkt. Und obwohl sich keine weiteren Symp­to­me oder Schmerzen dazu­ge­sell­ten, „bin ich dann irgendwann zum Hausarzt“.

Und das war gut so. Es folgten erste Untersuchungen beim Allge­mein­medizi­ner, eine Verdachtsdiagnose und dann die umgehende Überweisung an die Neurologen des RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt. „Hier fanden dann erste klinische Untersuchungen und Befragungen zu nicht-motorischen, alltagsrelevanten Symptomen statt. Das Resultat war eindeutig: Parkinson“, erzählt Schmitt. Ein Befund, der teils länger zurückliegende, nicht groß beachtete Vorboten der Erkrankung wie Riechstörungen, REM-Schlafstörungen sowie einen leicht gebeugten Gang erklärte. Warum die frühe Diagnose so wichtig ist

Der positive Aspekt: Die klinische Diagnose stand bald – und das „ist ausschlaggebend für die bestmögliche Therapie dieser über lange Jahre sehr gut behandelbaren Erkrankung“, ver­sichert Hartmann. Er betont, dass neben der individuellen medikamentösen Ein­stellung die persönliche Aufklärung und Information dabei eine große Rolle spielen. Schmitt stimmt dem absolut zu: „Zu wissen, was auf einen zukommt und wie man dann damit umgeht, das hilft gewaltig.“

Ihm selbst half es etwa zu Beginn der Dopamin-Ersatz-Therapie, als er während der Einstellungsphase mit leichten Nebenwirkungen seiner neuen Tabletten wie Übelkeit und Müdigkeit zu kämpfen hatte. Ihm halfen die täglichen ärztlichen Visiten, die enorm erfahrenen Thera­peu­ten, die verständlich geschriebenen Bro­schü­ren, ebenso die vielen unter­schied­lichen Behandlungsstunden während des Klinikaufenthalts.

­Engmaschige, individuelle Betreuung hilft

„Drei Wochen lang war mein tägliches Training im Rahmen der Parkinson-Komplexbehandlung darauf ausgelegt, dass die Bewegungsübungen, die sich wirklich leicht in den Alltag integrieren lassen, in Fleisch und Blut übergehen.“ Schließlich soll sein hier erlangtes Plus an Beweglichkeit lange erhalten bleiben. Bewegungsfreudig, sportlich und hoch­motiviert wie Schmitt ist, sollte das kein Problem sein: „Denn so habe ich noch gute Jahre vor mir.“ Davon ist auch Neurologe Hartmann überzeugt, weitere engmaschige, individuelle Betreuung vorausgesetzt. Gute Jahre mit verbesserter Be­weglich­keit und Lebensqualität, solange die Dopamin-Ersatz-Therapie anschlägt und die Eigenaktivität niemals nachlässt. Und bei fortschreitendem Morbus Parkinson? Dann helfen die Spezialisten mittels spezifischer Medikamentengruppen, Apomorphin-Pen oder -Pumpe, ge­ge­be­nen­­falls operativ-invasiver Therapie (Do­pamin-Pumpe, Tiefe Hirnstimultion), auch zum Beispiel wiederum im Rahmen einer spezialisierten Par­kin­son­kom­plex­ther­a­pie. Damit Betroffene so wenig wie mö­glich von der Krankheit beeinträchtigt wer­den, ihre Mobilität, Selbstversorgung und Lebensqualität bestmöglich und noch sehr lange aufrechterhalten können.