OBERSCHENKELHALSBRUCH: OFT EIN

großer Einschnitt ins Leben

Mit dem Alter steigt das Risiko. Doch viele Gefahren kann man schon im Vorfeld selbst beseitigen, wie Prof. Dr. med. Arne Berner, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie, Schulterchirurgie und Endoprothetik am RHÖN-KLINIKUM Campus erklärt.

Wenn sich jüngere Menschen Knochen brechen, sei es durch Unfall, Sport oder Gewalteinwirkung, dann heilt die Ver­letzung in aller Regel zügig: Eine Ope­ration mit Schrauben, Schienen, Gipsen und nach einer überschaubaren Zeit ist alles wieder in Ordnung, die Be­we­gungs­fähigkeit meist vollständig hergestellt. Nicht so bei älteren Menschen. Sie haben eine geringere Knochendichte und leiden oft unter Begleiterkrankungen, was den Heilungsprozess mitunter erheblich er­schwert. Mit den Besonderheiten, die da­mit verbunden sind, befasst sich die Al­ters­traumatologie. Der Orthopäde und Unfallchirurg Prof. Dr. med. Arne Berner vom RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neu­stadt ist Spezialist und An­sprech­part­ner auf diesem Gebiet. Herr Prof. Berner, was genau ist Alterstraumatologie?

lterstraumatologie befasst sich mit Unfällen bzw. Verletzungen von älteren Menschen. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung haben wir heute viel mehr Menschen, die länger mobil blei­ben. Aber eben auch mehr Menschen, die im höheren Lebensalter Knochen­brüche erleiden. Diese stellen zum einen besondere Anforderung an die unfall­chirurgische Versorgung, aber auch zusätzlich an die internistische Ver­sor­gung. Ältere Menschen nehmen oft dau­erhaft Medikamente ein und die Kno­chen­dichte nimmt im höheren Leben­s­al­ter ­ab. Schwächer werden die Knochen vor allem durch Mangelernährung, Osteo­porose und Bewegungsmangel. Das hat zur Folge, dass die Knochen schneller brechen können. Weil ältere Menschen oft mehrere Medikamente einnehmen und unter verschiedenen Krankheiten gleichzeitig leiden, erfordert so ein Kno­chenbruch oft die Einbeziehung anderer medizinischer Fachabteilungen, wie der Inneren Medizin, Anästhesie, Geriatrie, Physiotherapie, Unfallchirurgie und Ortho­­pädie. Damit befasst sich die Alters­traumatologie.

Welche Frakturen (=Brüche) kommen im Alter besonders häufig vor?

Oberschenkelbrüche, aber auch Becken­frakturen und Wirbel­körper­frakturen tre­ten bei älteren Menschen gehäuft auf. Insbesondere bei älteren Menschen kann es nach vergleichsweise harmlosen Trau­mata, zum Beispiel Stolpern oder Stoßen, schon zu Knochenbrüchen kommen. Ein jüngerer Mensch bekäme davon wohl nur einen blauen Fleck. Je nach Rönt­gen­befund erfolgt dann die operative oder auch die konservative Therapie der Fraktur.

„Insbesondere bei älteren Menschen kann es nach vergleichsweise harmlosen Traumata, zum Beispiel Stolpern oder Stoßen, schon zu Knochenbrüchen kommen.“

Prof. Dr. med. Arne Berner

Früher sagte man, der Ober­schen­kel­hals­bruch ist der Anfang vom Ende. Gilt das heute noch?

Ganz so schlimm ist das nicht. Ein Ober­schenkelhalsbruch ist eine schwere Ver­letzung insbesondere für den alten Men­schen. Durch moderne OP Verfahren ge­lingt es uns jedoch, die Frakturen meist so zu versorgen, dass direkt nach der Operation eine Vollbelastung möglich ist. Dies führt auch dazu, dass die Patienten schneller wieder fit werden und Be­gleit­er­krankungen aufgrund von längerer Bett­lägerigkeit vermieden werden können. Trotz­dem handelt es sich um eine schwer­wiegende Verletzung, die ins­be­son­dere bei älteren Menschen eine interdisziplinäre Zusammenarbeit er­for­derlich macht. Diesbezüglich sind wir am Campus Bad Neustadt bestens auf­ge­stellt, um solche Verletzungen ent­spre­chend zu versorgen. Wie behandelt man einen Ober­schen­kel­halsbruch?

Wichtig ist zunächst, dass der Patient innerhalb eines Zeitraums von 24 bis 48 Stunden operiert wird. In seltenen Fällen und vor allem bei jüngeren Menschen können wir einen Oberschenkelhalsbruch konservativ behandeln, das heißt, das Bein wird geschient. Bei älteren Men­schen entscheiden wir uns meist für eine OP. Je älter, desto wahrscheinlicher ist der Einsatz einer Prothese: entweder ersetzen wir nur den Hüftkopf durch Implantation einer Teilprothese oder es erfolgt die Implantation einer Hüft­total­endoprothese. Wichtig ist uns in allen Fällen, dass unsere Patienten so schnell wie möglich wieder auf die Beine kom­men. Denn im Liegen wird schnell Mus­kel­masse abgebaut, außerdem er­höht sich die Gefahr, eine Lungen­ent­zündung zu erleiden. Deshalb sind bei uns Physio­therapie und eine frühzeitige Mo­bili­sie­rung sehr wichtig. Was kann man tun, um einen Ober­schen­kelhalsbruch zu verhindern?

Das Wichtigste ist die Bewegung! Kno­chen brauchen eine angemessene Be­lastung und Vitamin D, um stabil zu blei­ben. Das Vitamin gibt es durch eine ge­sunde Ernährung und häufige Aufen­thalte im Freien. Da die meisten Ober­schen­kel­halsbrüche zu Hause passieren, sollte man Barrieren abbauen: möglichst keine Treppen, Türschwellen, Teppiche. Denn das sind die größten Stolperfallen. Sind sie beseitigt, hat man schon einen we­sent­lichen Beitrag geleistet, um einen Oberschenkelhalsbruch zu verhindern.