Die Kraft
DES WASSERS NUTZEN
Schon im 19. Jahrhundert empfahl Sebastian Kneipp, für die Gesundheit selbst Initiative zu ergreifen. Wie die Hydrotherapie helfen kann, unsere Gefäße stabil und gesund zu erhalten.

Jürgen Steiner
Welche kneippschen Anwendungen beugen Gefäßerkankungen vor?
Für den Physiotherapeuten Jürgen Steiner, Leiter der neurologischen Therapieabteilung am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt, der die kneippschen Grundsätze in verschiedenen Bereichen einsetzt, sind Hydrotherapie (Wasserlehre) und Bewegungstherapie eine effektive und sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin.
Morgenmuffeln, die in der Früh nicht richtig in die Gänge kommen, empfiehlt Steiner Wechselduschen. Sie bewirken durch den wechselnden Reiz von warm und kalt ein Zusammenziehen und Entspannen der Gefäße. „Regelmäßig angewandt fördern sie die Durchblutung und kräftigen die Venen“, erklärt Steiner. Abends wirkt – bei müden und schweren Beinen – Wassertreten wahre Wunder. Dafür muss man nicht unbedingt ins Tretbecken. „Das kann man auch problemlos in der Badewanne nachmachen, kaltes Wasser rein und vorsichtig hin- und herlaufen“, so Steiners Tipp. Wer Sorge hat auszurutschen, probiert das besser nur mit Unterstützung von außen.
Ergänzt man das Ganze beispielsweise noch mit Ausdauersportarten wie Nordic Walking oder Radfahren, aktiviert man sein Herz-Kreislauf-System und hat in Bezug auf Vorbeugung alles richtig gemacht. Wie starte ich am besten mit kneippschen Anwendungen?
„Starten Sie anfangs mit ein bis zwei Wiederholungen und kurzer Dauer und schauen Sie, wie Sie darauf reagieren“, rät der Physiotherapeut, der am Campus im Jahr mehrere hundert Patienten betreut. Verträgt man es gut, steigert man Häufigkeit und Dauer der Anwendungen. „Sollte es sich bei den Anwendungen um die Behandlung bestehender Gefäßerkrankungen handeln, legen ohnehin der behandelnde Arzt oder Therapeut Häufigkeit und Dauer fest“, sagt Steiner. Was sollte ich beachten, bevor ich beginne?
Bei einer bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankung rät Steiner in jedem Fall, jegliche Anwendung vorab mit dem behandelnden Arzt abzusprechen. Nur so lässt sich die geeignete Anwendung und die optimale Dosierung herausfinden. Ein gesunder Mensch sollte stets auf sein Wohlbefinden achten. „Hier gilt nicht die Devise viel hilft viel, sondern angepasst an seine körperlichen Voraussetzungen“, so Steiner.
Gibt es einen Unterschied zwischen Vorbeugung und Behandlung?
„Vorbeugung ist das A und O“, sagt der Fachmann der physikalischen Therapie. Mit einfachen, aber wirkungsvollen Methoden kann man sein Gefäßsystem trainieren und so beispielsweise den häufigsten Venenerkrankungen wie den Krampfadern vorbeugen. „Schon wenn man Besenreißer sieht, sollte man vorbeugen, damit daraus eben keine Krampfadern werden.“
In der Durchführung kneippscher Anwendungen liegt der Unterschied zwischen Prävention und Behandlung einzig in der Auswahl und der Intensität der Anwendungen, so der Experte. Ein Mensch mit einer Herzschwäche sollte jedoch auf eine Ganzkörper-Wechseldusche verzichten, da diese das Kreislaufsystem sehr belastet. Hier rät der Physiotherapeut klein anzufangen, zum Beispiel mit einem Wadenguss oder eben mit Wassertreten. Wie oft sollte ich die Anwendungen durchführen?
Regelmäßige Anwendungen zwei bis dreimal in der Woche regen Kreislauf und Stoffwechsel an, fördern die Durchblutung und kräftigen die Venen. Sie stärken das Immunsystem und wirken stabilisierend auf das vegetative Nervensystem. Kneippsche Anwendungen sind also einfache und unkomplizierte Methoden, um gut und gesund durchs Leben zu kommen. Welche Anwendungen setzen die Fachleute am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt in der Therapie ein?
„Am Campus bieten wir Elemente aus der Hydrotherapie in der Neurologischen Reha und der Kardiologischen Reha an.“ Teil- und Vollbäder, aufsteigende Armbäder, Wechselgüsse und -duschen sind gängige Anwendungen in der neurologischen Therapieabteilung. „Weitere Elemente aus Kneipp werden in der physikalischen Therapie als Behandlungskonzept angeboten und ergänzen unsere spezifischen und wirksamen Therapiemethoden hervorragend“, sagt Steiner. „Kneipp als solches ist ja ein Therapiekonzept, das sich nicht nur auf Gefäßkrankheiten beschränkt. Doch eignen sich Wasseranwendungen und Bewegungsübungen hervorragend für Prävention und Behandlung.“