WENN NACHTS DIE

Finger taub werden

Wachen Sie nachts manchmal mit einem schmerzenden Arm auf und Daumen bis Mittelfinger sind „wie eingeschlafen“? Dann könnte es sich um ein Karpaltunnelsyndrom handeln. Chefarzt Prof. Dr. med. Jörg van Schoonhoven erklärt, was Sie tun können und warum Sie nicht zu lange abwarten sollten.

Prof. Dr. med. Jörg van Schoonhoven

Das ist das Karpaltunnelsyndrom

Durch den Karpaltunnel am Handgelenk verlaufen Fingerbeuge-Sehnen und der Mittelnerv (Nervus medianus). Schwillt das Gewebe in diesem Handwurzelkanal an, drückt es auf den Nerv. Über- und Fehlbelastungen der Hand begünstigen das Syndrom, das in der Regel über längere Zeit entsteht. Das Karpal­tunnel­syndrom (KTS) tritt meist bei Menschen zwischen 40 und 70 Jahren auf. Frauen erkranken häufiger als Männer. Das sind die Symptome

Anfangs fühlen sich Daumen, Zeige- und Mittelfinger nur nachts taub an, später auch tagsüber. Durch die Miss­em­pfin­dung fallen feine Arbeiten (Hemd zu­knöpfen) zunehmend schwerer. Im wei­teren Verlauf entstehen Schmerzen, Gegenstände können nicht mehr richtig festgehalten werden bis hin zur Läh­mung. So wird diagnostiziert

Um zu erkennen, inwieweit der Nerv noch funktionstüchtig ist, misst der Neurologe die Nervenleitgeschwindigkeit. Auch eine Elektromyografie (EMG), Röntgen, MRT oder ein Ultraschall können notwendig sein. Die Therapiemöglichkeiten

Die Behandlung hängt vom Ausmaß der Beschwerden bzw. vom Stadium der Beeinträchtigung ab. Anfangs kann eine nächtliche Ruhigstellung mit einer Lagerungsschiene helfen. Auch eine Cortisonspritze oder schmerzlindernde Medikamente stehen zur Wahl. Die Operation am Campus

In schweren Fällen wird bei einer ambulanten Operation – endoskopisch oder über einen vier Zentimeter langen Schnitt in der Handfläche – das feste Bindegewebe-Band über dem Karpal­tunnel komplett durchtrennt. In der „Öffnung“ bildet sich stabiles Nar­ben­gewebe, welches die Lücke auffüllt und wie eine Verlängerung des Bandes wirkt. Sehne und Nerv haben also mehr Platz als vorher im Kanal. In den meisten Fällen ist die Hand nach rund drei Wo­chen wieder belastbar.