
Eine Reise
IN DAS INNERE HAUS
Hypnose versetzt uns in einen besonderen Bewusstseinszustand. Darüber existieren viele Mythen. Die Anästhesistin Dr. med. univ. Bud. Evi Diestelkamp zeigt, warum man vor Hypnose keine Angst haben muss – und bei welchen Symptomen sie helfen kann.
Kontrollverlust, Willenlosigkeit, Erinnerungslücken: In Filmen und Märchen wird ein hypnotisierter Mensch oft zum wehrlosen Werkzeug skrupelloser Machenschaften. Diese Mythen kennt auch Dr. Evi Diestelkamp, Oberärztin am Ambulanten OP-Zentrum des RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt.
„Hypnose“, erläutert sie, „ist keine Zauberei. Sie ist eine wissenschaftlich erprobte Form der Kommunikation, die einen Weg in einen sehr entspannten Zustand, eine Trance, ermöglicht. Hypnotisierte lenken ihre Aufmerksamkeit nach innen – beispielsweise auf ein bestimmtes Thema, das behandelt werden soll.“ Möglichkeiten und Grenzen
Pro Jahr versetzt die Fachärztin über 300 Menschen in Trance. „Das umfasst ein breites Spektrum an Behandlungen“, schildert sie. „Hypnose hilft bei Rauchentwöhnung, Abnehmen oder Zähneknirschen ebenso wie in der Geburtsvorbereitung oder bei Angst vor Spritzen und Operationen.“ In einer Arbeitsgruppe erforscht sie die Anwendung von Hypnose als Therapieoption bei Multipler Sklerose.
Mit ihr lassen sich auch Auswirkungen von beruflichem und privatem Stress mildern: „Schichtdienst führt oft zu Schlafproblemen und Erschöpfung", so die Ärztin. Hier können Hypnosesitzungen für Entspannung sorgen.
Allerdings kennt die Methode auch Grenzen: „Befindet sich ein Mensch in einer akuten Psychose oder unter dem Einfluss von Drogen, darf ich keine Hypnose anwenden. Das gilt auch für Menschen mit Demenz“.
Die inneren Zimmer neu gestalten
Die ausgebildete Hypnotiseurin vergleicht die Trance mit dem Gang durch die Zimmer eines Hauses. „Finde ich in meinem Unterbewusstsein einen Raum, der mich stört, weil er etwa mit Ängsten assoziiert wird, gestalte ich ihn um. Trete ich danach wieder ein, entspricht er meinen Wünschen und Vorstellungen – die Ängste verschwinden.
Apropos Angst: „Niemand muss sich vor einer Hypnose fürchten“, beruhigt sie, „denn Sie behalten stets die Kontrolle. Sie allein entscheiden, ob Sie die Hypnose überhaupt zulassen wollen. Das Unterbewusstsein ist dabei ihr starker Verbündeter und schützt sie – und Sie können die Hypnose jederzeit unterbrechen.“
DIE DREI PHASEN DER HYPNOSE
- Einleitung, auch „Hypnoseinduktion“: Durch Blicke, Gesten und Gespräche des Hypnotiseurs wird der Patient in einen tranceartigen Zustand geleitet.
- Die Trance ist die zentrale Behandlungsphase. Mittels Sprachbildern und Suggestionen findet darin die therapeutische Arbeit statt.
- In der Reorientierungsphase wird der Patient aus der Trance wieder in den bewussten Zustand zurückgeführt.
