WIE SEHR SCHADET COVID

dem Herzen?

Was es für Herzpatienten bedeutet, wenn sie eine COVID-Erkrankung durchmachen – und was sie beachten sollten

Dass COVID nicht nur auf die Lunge beschränkt ist, sondern auch andere Organe befällt, ist schon lange klar. Auch das Herz kann durch die Erkrankung Schaden nehmen. Aber wie gefährlich sind die Veränderungen? Und was müssen Herzpatienten beachten? Dr. med. Jan Kikec, Oberarzt der Klinik für Kardiologie I am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt, sagt, was die Medizin inzwischen weiß – und was nicht. Welche Schäden kann COVID am Herzen anrichten?

Im Rahmen der akuten COVID-Infektion kann es zu einer Beteiligung des Herzens kommen. Aber auch danach kann das SARS-CoV-2-Virus teilweise noch im Herzen nachgewiesen werden. Wie genau die Schädigung des Herzens erfolgt, wird noch erforscht. Man weiß aber, dass das Virus nicht nur die Herz­muskelzellen infizieren kann, son­dern auch die Zellen des Endothels – also die Zellen, die die Gefäßinnenwände aus­kleiden. Ersteres führt zu einer Myo­kar­di­tis, also einer Entzündung des Herz­mus­kel­gewebes. Das ist wohl die Haupt­ur­sa­che für Schäden am Herzen. Die Ent­zündung des Endothels kann im Herz zudem kleine Infarkte verursachen. Inf­olge der Entzündungsreaktionen können eine Herzschwäche, Herz­rhyth­mus­störungen und Thrombosen entstehen. Das Risiko für Thrombosen, Lungen­em­bo­lien, Herzinfarkt, Herzschwäche und Schlaganfall ist noch bis zu sechs Mo­nate nach der akuten COVID-Infektion erhöht. Wie macht sich eine Herzbeteiligung bei COVID bemerkbar?

Sowohl während als auch nach der COVID-­Erkrankung können die Patienten an Atemnot, Druckschmerzen im Brust­korb, Herzstolpern und Herzrasen leiden. Was sollten Herzpatienten bei einer COVID-Erkrankung beachten?

Gerade während einer akuten Infektion sollte der Herzpatient sich gut beo­bach­ten und täglich Blutdruck, Puls und Kör­pergewicht dokumentieren. Die ver­ord­neten Herzmedikamente sollten im Falle einer Erkrankung unbedingt weiter ein­genommen werden. Die Blutdrucksenker aus der Gruppe der ACE-Hemmer und AT1-Blocker erhöhen nicht, wie an­fäng­lich vermutet, das Risiko für einen schwe­ren Verlauf der COVID-Erkrankung. Wann sollte man als Herzpatient bei COVID zum Arzt gehen?

Bei Verschlechterung der bekannten Herzbeschwerden wie Zunahme von Belastungsluftnot, Beinödemen und Angina pectoris sollte der behandelnde Arzt konsultiert werden. Wenn bei Herzpatienten eine Kranken­haus­be­handlung wegen einer COVID-Er­kran­kung erforderlich wurde, ist eine Verlaufs­kontrolle beim behandelnden Kardiologen sechs bis zwölf Wochen nach Entlassung zu empfehlen.

Dr. med. Jan Kikec

Was untersucht der Kardiologe?

Die kardiologische Verlaufskontrolle um­fasst primär eine körperliche Unter­su­chung, ein EKG, eine Echokardiografie und eine Blutentnahme. Bei Angina pectoris und Belastungsluftnot sollte zu­sätzlich ein Belastungs-EKG oder eine Spiroergometrie (Herz-Lungen-Be­las­tungs­test) gemacht werden. Nur bei entsprechenden Auffälligkeiten kommen zur weiteren Abklärung eine MRT-Un­ter­suchung des Herzens und eine CT-Un­ter­suchung von Herz und Lunge infrage. Wie gut schützt die Impfung? Ist für Herzpatienten eine vierte Impfung empfehlenswert?

Herzpatienten ist sowohl eine Corona- als auch eine Influenza-Impfung sowie deren Auffrischungen dringend anzuraten. Un­ge­impfte Herzpatienten haben ein hö­her­es Risiko für schwere Verläufe und eine erhöhte Sterblichkeit. Ob und wann eine vierte COVID-Impfung sinnvoll ist, sollte der behandelnde Hausarzt oder Kar­dio­loge im Einzelfall entscheiden. Auch nach der COVID-Impfung kann eine Myokarditis auftreten. Wie gefährlich ist das?

Wie hoch das Risiko ist, nach einer COVID-Erkrankung eine Myokarditis zu erleiden und bleibende Schäden davon­zutragen, ist noch nicht ab­schließend ge­klärt. Es zeigt sich aber deutlich, dass das Risiko für schwere Schäden am Her­zen nach einer Impfung deutlich geringer ist als nach einer COVID-Erkrankung. Eine Myokarditis kann zwar auch nach einer COVID-Impfung auftreten, jedoch deutlich seltener als nach einer COVID-Erkrankung. Zudem sind die Verläufe in den allermeisten Fällen mild und bleiben ohne langfristige Folgen. Und eine Im­pfung schützt auch vor anderen ge­sund­heitlichen Folgen wie etwa Herz­rhyth­mus­störungen, Herzinfarkt, Nier­en­schäden oder Lungenembolien.