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„Wenn einem die Luft wegbleibt"

RHÖN-Kreisklinik Bad Neustadt | 22.09.2015

„Wenn einem die Luft wegbleibt"

Zahlreiche Gäste folgten der Einladung der Kreisklinik zum Vortrag am 8. September mit dem Thema Luftnot.

Als Atemnot bzw. Luftnot wird eine unangenehm erschwerte Atemtätigkeit bezeichnet, leitete Christiane Neumann, Fachärztin für Innere Medizin und Pneumologie, den Abend ein. Ursachen, Wahrnehmung und auch Folgen dieses Symptoms können sehr unterschiedlich sein.

Atemnot ist sowohl in der Praxis als auch in der Klinik eines der am häufigsten beklagten Symptome. Oft empfinden Patienten diese als sehr bedrohlich, jedoch liegt keine schwere Erkrankung vor. Auch der umgekehrte Fall ist möglich. Luftnot wird also sehr subjektiv wahrgenommen und ist häufig nur Teil eines weiteren Beschwerdekomplexes.

Dabei unterscheidet man zwei Arten von Luftnot. Eine chronische Atemnot dauert länger als vier Wochen an und ist meist direkt auf Herz- oder Lungenerkrankungen zurückzuführen. Die plötzliche Luftnot tritt innerhalb weniger Sekunden oder Minuten auf und ist häufig mit emotionalen Faktoren, wie Stress und Nervosität, verknüpft. Sie kann aber auch Ausdruck einer lebensbedrohlichen Situation sein. „Die Einschätzung der vitalen Gefährdung steht an erster Stelle" betonte Frau Neumann.

Zuerst gilt es zu klären, wann, wo und unter welchen Umständen die ersten Symptome aufgetreten sind. Besteht ein Zusammenhang mit körperlicher Aktivität? Treten die Beschwerden im Intervall auf, im Liegen oder im Sitzen? Manchmal können auch Veränderungen der Lebensgewohnheiten oder in der Umwelt, wie ein anderes Haarspray oder ein neues Haustier, eine Allergie und damit Atemnot auslösen.

Zur Diagnostik gehört anschließend die körperliche Untersuchung, wobei Parameter wie Atemfrequenz und Atemgeräusche abgeklärt werden. Im Bedarfsfall folgen u. a. Laboruntersuchungen, Röntgen- bzw. CT-Aufnahmen, ein EKG oder eine Lungenfunktionsprüfung.

Geht die Atemnot mit einem unklaren Brustschmerz einher, spricht man von einem "akuten Cornorarsyndrom" (ACS). Eingeteilt wird das ACS in die instabile Angina Pectoris und den Herzinfarkt. Symptome hierfür sind beispielsweise Schmerzen mit Ausstrahlung in Hals, Unterkiefer, Schultergegend, linken oder rechten Arm, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Luftnot.

Das ACS stellt in Deutschland immer noch die häufigste Todesursache dar. Risikofaktoren hierfür sind u. a. Diabetes, Übergewicht und das Rauchen. Meist ist ein arterieller Verschluss der Koronararterien aufgrund einer Thrombose für die Entstehung eines ACS verantwortlich. Zur genauen Diagnostik, aber auch zur Therapie, wird meist ein Herzkatheter eingesetzt. Frau Neumann erklärte, dass dadurch Herzkammern und Herzkranzgefäße untersucht und gegebenenfalls gleich ein Ballonkatheter oder ein Stent eingesetzt werden kann, welcher dann das verengte Gefäß offen hält.

Aber auch Lungenerkrankungen können zu Atemnot führen. Ursachen für Erkrankungen der Lunge sind oftmals Asthma, Lungenentzündungen, Tumore oder eine COPD. Eine COPD bezeichnet einen chronischen Husten mit Auswurf, begleitet von Atemnot und hat eine langsame Verschlechterung der Lungenfunktion über Monate und Jahre zur Folge. Hauptursache Nr. 1 hierfür ist Zigarettenrauch.

Bei einer Lungenembolie, welche durch ein verstopftes Blutgefäß der Lunge verursacht wird, sind typische Krankheitssymptome ebenfalls Luftnot (90%), aber auch Schmerzen im Brustkorb (70%), Beklemmungsgefühl (60%), Husten (50%) und Schweißausbrüche (30%). Zur Diagnose einer Lungenembolie wird ein CT gemacht. Als Therapie hat sich die Gabe von Medikamenten zur Hemmung derAtemeffektivität verbessert und Atemdepressionen verhindert.

Abschließend beantwortete Frau Neumann die zahlreichen Fragen der Zuhörer, welche z.B. vom Zusammenhang von Magenerkrankungen und Atemnot handelten.

Der nächste Vortrag findet am 13. Oktober im Veranstaltungsraum 2.UG in der Kreisklinik statt. Thema ist dann „Was ist ethisch vertretbar?", über das Dr. med. Ute Hiby, Fachärztin für Innere Medizin, Allgemein- und Palliativmedizin, referiert. Die Vorträge sind kostenfrei, offen für alle Interessierte und es bedarf keiner Anmeldung.