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„Mama mag nicht“: Depressionen im Alter – Medizinische Exzellenz aus Tradition: Psychosomatische Klinik feiert 40 jähriges Bestehen (Kopie 1)

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Psychsomatische Klinik Bad Neustadt | 06.10.2015

„Mama mag nicht“: Depressionen im Alter – Medizinische Exzellenz aus Tradition: Psychosomatische Klinik feiert 40 jähriges Bestehen (Kopie 1)

In nunmehr 40 Jahren hat sich die Psychosomatische Klinik Bad Neustadt einen exzellenten Ruf in der Branche erarbeitet. Am 30. Oktober finden die Feierlichkeiten in der Psychosomatischen Klinik zu diesem großen Jubiläum statt, bevor im Frühjahr 2016 der Umzug in die vormalige Kurparkklinik ansteht. Neben namhaften Referenten aus dem gesamten Bundesgebiet wird auch der neue Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Martin Siepmann, offiziell vorgestellt. Der Mediziner ist seit 1. Juli Ärztlicher Direktor der Psychosomatischen Klinik am Campus Bad Neustadt. Als Chefarzt leitet er die Abteilung Rehabilitation und verantwortet einen Teil der Akutpsychosomatik. Einer seiner klinischen Schwerpunkte ist die Psychosomatik im Alter.

Der Umgang mit Depressionen im Alter: Prof. Dr. Martin Siepmann gibt Antworten

Depressionen der 2. Lebenshälfte treten bei Männern häufig zwischen der 6. und 7. Dekade auf, bei Frauen kann das einige Jahre früher sein. „Häufig sind diese Zeiträume geknüpft an Veränderungen im persönlichen Umfeld: Beispielswiese durch den Eintritt ins Rentenalter, Verlust des Partners, oder die Kinder, die das Haus verlassen.“, weiß Prof. Dr. Martin Siepmann. Depressionen sind im höheren Lebensalter neben Demenzen die häufigste psychische Störung. „Oftmals ist das Auftreten einer Depression verbunden mit alterstypischen Veränderungen wie dem drohenden Verlust von Selbstständigkeit, Vereinsamung oder dem Verlust von Ansehen und Einfluss, zum Beispiel nach Eintritt in den Ruhestand. Einschränkungen der körperlichen und/oder geistigen Leistungsfähigkeit erhöhen das Risiko“, fügt der Mediziner hinzu. Der neue ärztliche Direktor gibt im Interview Rat zum Umgang mit depressiven Senioren:

Leiden ältere Menschen häufiger unter Depressionen als Junge?

"Depressionen können in jedem Lebensalter auftreten. Der Ersterkrankungsgipfel liegt zwischen 18 und 25 Jahren. Leichte Formen von Depression sind bei älteren Menschen zwei bis dreimal häufiger im Vergleich zu Jüngeren. Vermutlich werden fast die Hälfte der Fälle übersehen oder spät erkannt, da es Besonderheiten gibt, die das Erkennen im höheren Lebensalter erschweren."

Woran merkt man, dass ein alter Mensch depressiv ist?

"Typischerweise leiden Depressive unter gedrückter Stimmung, Verlust von Interesse und Antriebslosigkeit. Konzentration und Merkfähigkeit sind vermindert, Schlaf und Appetit gestört. Gewichtsverlust, Schuldgefühle, Gedanken der eigenen Wertlosigkeit, an den Tod oder Selbstmordgedanken sind weitere mögliche Symptome. Im Gegensatz zu dem Erscheinungsbild bei jüngeren Menschen stehen bei Älteren oft körperliche Symptome wie Druckgefühl im Hals oder Brust, Magen-Darmbeschwerden, Schwindel sowie ängstliche Befürchtungen - an einer ernsthaften körperlichen Erkrankung zu leiden – im Vordergrund."

Leiden ältere Menschen anders an einer Depression als junge Menschen?

"Depressionen können bei älteren Menschen, mehr noch als bei Jüngeren, lebensbedrohend verlaufen. Verminderte Flüssigkeitszufuhr, Bettlägerigkeit und Suizidgedanken sind Risikofaktoren, die eine Behandlung dringend notwendig machen."

Wo sehen Sie die Ursachen für Depressionen bei Senioren?

"Altersbedingte Veränderungen des Gehirnstoffwechsels und bestimmte körperliche Erkrankungen (z. B. Schlaganfall) erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken. Oft werden Depressionen im Alter durch einfühlbare Gründe wie den Tod des Ehepartners oder den Umzug in ein Seniorenheim aktiviert. Durch belastende Situationen ausgelöste Depressionen verstärken sich in einer abwärts gerichteten Spirale bei älteren Menschen dadurch, dass Ängste und Befürchtungen als nicht beherrschbar erlebt werden. Unglücklicherweise wird dieses als alterstypische Gegebenheit meist hingenommen."

Was empfehlen sie Angehörigen oder Pflegern?

"Günstig ist, wenn Bezugspersonen Verständnis für die Situation aufbringen und die Depression ernst nehmen ohne zu übertreiben. Sie sollten stellvertretend Hoffnung vermitteln, dazu ermutigen professionelle Hilfe aufzusuchen und eine Behandlung (z. B. Psychotherapeutenbesuche und Medikamenteneinnahme) unterstützen. Aktivitäten, die gut tun und nicht überfordernd sind (z. B. kurze Spaziergänge) sollten gefördert werden. Selbstmordgedanken sind offen anzusprechen, um eine drohende Gefahr zu erkennen und im Notfall den Notarzt und/oder die Polizei zu rufen. Um die Herausforderungen im Umgang mit depressiven älteren Menschen gut zu bewältigen, können Angehörige selbst therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen oder Selbsthilfegruppen aufsuchen."

Kann man Depressionen im Alter behandeln?

"Altersdepressionen haben eine gute Prognose und sollten konsequent behandelt werden. Sowohl Psychotherapie als auch antidepressive Medikamente sind wirksam."

Altersgerechte Angebote am Campus Bad Neustadt

Unter dem Gesichtspunkt einer immer älter werdenden Gesellschaft, ist dieses Thema insbesondere auch für die Versorgung der Menschen im Landkreis Rhön-Grabfeld von großer Bedeutung. Die enge Vernetzung mit den somatischen Kliniken des Rhön-Klinikums ermöglicht eine gesundheitliche Behandlung der organisch oft mehrfach erkrankten (multimorbiden) älteren Patienten. Im Zuge des Neubaus am Campus Bad Neustadt werden zukünftig auch erweiterte Gesundheitsdienstleistungen angeboten werden. Angebote im Bereich der Altersmedizin, aber auch altersgerechte Wohnkonzepte sind Bestandteil des Campus-Konzeptes. Bereits im kommenden Jahr wird durch den Umzug der Psychosomatischen Klinik in die ehemalige Kurparkklinik der erste wegweisende Schritt erfolgen. „Wir freuen uns, dass wir mit Prof. Siepmann einen erfahrenen Mediziner für den Campus Bad Neustadt gewinnen konnten, der durch seine Vita unseren Anspruch für die Versorgung der Patienten der Region auf universitärem Niveau unterstützt“, freut sich Geschäftsführer Burkhard Bingel mit Blick auf die Ausrichtung der RHÖN-KLINIKUM AG am Standort Bad Neustadt.