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Demenz

Herausforderung für pflegende Familien und Gesellschaft

In Deutschland sind derzeit etwa 1,1 Million Menschen an einer Demenz erkrankt. Nach Prävalenzstudien ist davon auszugehen, dass sich die Zahl der Betroffenen alle 20 Jahre verdoppelt. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Demenz zu erkranken. In Deutschland ist ein Viertel der Bevölkerung über 60 Jahre alt. Dieser Anteil wird sich in den nächsten Jahren drastisch erhöhen. Es resultiert ein exponentieller Anstieg der Demenz im Altersbereich zwischen 65 bis 90 Jahren, wobei voraussichtlich jeder Zweite der über 90-Jährigen an einer Demenz erkranken wird. Die epidemiologischen Daten zeigen deutlich, dass eine Behandlung demenzieller Erkrankungen, also konsequente  medikamentöse Therapie, eingebunden in ein sinn- volles Gesamtbehandlungskonzept, unabdingbar ist. Nur so können die nachteiligen gesundheitlichen Auswirkungen für die Patienten sowie die Belastung betreuender Angehöriger reduziert und eine sozioökonomische Entlastung erwartet werden.

Demenz ist ein Überbegriff für eine Vielzahl von Erkrankungen. Allen Demenz-Unterformen ist gemeinsam, dass sie zu einem Verlust besonderer geistiger Fähigkeiten führen. Eine sich entwickelnde Vergesslichkeit ist mit Abstand die häufigste Frühmanifestation der Alzheimer-Demenz. Weitere Frühzeichen sind Interessensverlust, Aufgeben von Hobbys, sozialer Rückzug, Depressivität, Entscheidungsunsicherheit oder Verlaufen in fremder Umgebung. Daraus resultiert für gewöhnlich eine zunehmende Beeinträchtigung der persönlichen Aktivität des täglichen Lebens. Die Erkrankung verläuft in mehreren Stadien, in denen sich die Krankheitszeichen immer mehr verstärken. Die Demenzdiagnose selbst ist eine Syndromdiagnose, bestehend aus einer Gedächtnisstörung, Beeinträchtigung höherer kortikaler Funktionen (Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache, Urteilsvermögen) und einer Beeinträchtigung der sozialen Kompetenz. Werden diese Kriterien nicht erfüllt (z. B. ausschließlich Gedächtnisstörungen), wird eine milde kognitive Beeinträchtigung diagnostiziert. Nur 20 Prozent dieser Patienten entwickeln eine Demenz. Es gibt keinen biochemischen Test oder Bildgebungsbefund, der zweifelsfrei die Diagnose der Alzheimer-Demenz erlaubt. Es stehen in der Neurologischen Klinik alle modernen diagnostischen Möglichkeiten zur frühzeitigen Diagnose einer Demenz zur Verfügung. Diese umfassen spezialisierte neuropsychologische, labormedizinische, molekulargenetische, liquordiagnostische als auch bildgebende Verfahren wie zerebrale Computertomographie und Kernspintomographie. In Zusammenarbeit mit dem PET-Zentrum Bad Berka besteht zudem die Möglichkeit einer molekularen Bildgebung zur Differenzierung weiterer Demenzformen (u. a. Morbus Parkinson, Chorea Huntington, vaskuläre Demenz).

Es stehen therapeutisch verschiedene medikamentöse Therapieverfahren zur Behandlung der Alzheimer-Demenz zur Verfügung. Dabei gelang der Nachweis von positiven Langzeiteffekten unter medikamentöser Behandlung. Neben der Behandlung der Kernsymptomatik (v. a. kognitive Störungen, Beeinträchtigung der persönlichen Aktivität des täglichen Lebens) umfasst die medikamentöse Therapie auch die Behandlung von psychischen und Verhaltenssymptomen, wie Depression, Angst, Agitation und psychotische Symptome. Unterstützt wird der therapeutische Erfolg durch umfangreiche sozialmedizinische Angebote an der Neurologischen Klinik in enger Kooperation mit dem hiesigen sozialen Netzwerk Demenz in Unterfranken. Gefäßschädigende Faktoren wie arterieller Hypertonus, Diabetes mellitus und Hypercholesterinämie treten häufig hinzu und erfordern eine gesonderte Behandlung. Da eine regelmäßige körperliche Aktivität positive Effekte auf Gedächtnisleistungen gezeigt hat, ist Bewegung fester therapeutischer Bestandteil einer umfassenden Demenzbehandlung.

Es liegen Hinweise vor, dass eine frühzeitige Diagnose und Therapie den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen könne. Neben einer pharmakologischen Behandlung dienen hierzu psychosoziale Interventionen unter Einbezug der Angehörigen (Edukation, Verhaltensmanagement, Bewältigungsstrategie, Belastungsmöglichkeiten). Ein Team aus spezialisierten Ärzten, Neuropsychologen, Ergotherapeuten, Sozialarbeitern und Pflegekräften steht für diesen Zweck an der Neurologischen Klinik zur Verfügung.

Ursachen für Demenz

Die Ursachen der Demenzerkrankung sind vielfältig. Durch die Alzheimer-Krankheit werden etwa sieben von zehn Demenzerkrankungen hervorgerufen. Bei dieser Krankheit gehen in bestimmten Bereichen des Gehirns allmählich Nervenzellen zugrunde. Eine vaskuläre Demenz aufgrund von Durchblutungsstörungen des Gehirns liegt bei circa zwei von zehn Demenzkranken vor. Bei den selteneren Sonderformen der Demenz kommt die Schädigung des Gehirns unter anderem durch Alkohol oder die Ablagerung kleiner Eiweißteilchen in bestimmten Bereichen des Gehirns zustande. Insgesamt sind bisher etwa 50 Erkrankungen bekannt, die eine Demenz auslösen oder auch vortäuschen können.

Weitere Informationen

Hinweise auf eine beginnende Demenz

Hinweise auf eine beginnende Demenz

Vergesslichkeit:

  • Starke Vergesslichkeit und unerklärliche Verwirrtheitszustände können ein Zeichen für eine Verminderung der Gedächtnisleistung sein.

Schwierigkeiten mit gewohnten Handlungen:

  • Menschen mit Demenz vergessen z. B. nicht nur, dass sie den Herd angelassen, sondern auch, dass sie gekocht haben.

Sprachprobleme:

  • Menschen mit Demenz fallen oft einfache Worte nicht mehr ein. Sie verwenden stattdessen unpassende Füllworte.

Räumliche und zeitliche Orientierungsprobleme:

  • Bei Menschen mit Demenz kann es passieren, dass sie nicht mehr wissen, wie sie wieder nach Hause gelangen. 

Eingeschränkte Urteilsfähigkeit:

  • Die gewählte Kleidung ist manchmal völlig unangebracht.

Probleme mit dem abstrakten Denken:

  • Zahlen können oft weder eingeordnet noch können einfache Rechnungen durchgeführt werden.

Liegengelassen von Gegenständen:

  • Gegenstände werden an völlig unangebrachte Plätze gelegt und nicht wiedergefunden.

Stimmungs- und Verhaltensänderungen:

  • Menschen mit Demenz können in ihrer Stimmung ohne erkennbaren Grund sehr abrupt schwanken.

Persönlichkeitsänderungen:

  • Es kann eine sehr ausgeprägte Persönlichkeitsänderung auftreten.

Verlust der Eigeninitiative:

  • Das Interesse an der Arbeit und am Hobby kann völlig verloren gehen, ohne Freude an neuen Aufgaben zu finden.