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Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation (MBOR)

Bei Rehabilitanden im erwerbsfähigen Alter werden berufliche Aspekte schon bei Beginn der medizinischen Rehabilitation berücksichtigt. Die Deutsche Rentenversicherung Bund hat ein Anforderungsprofil zur Durchführung der medizinisch beruflich orientierten Rehabilitation herausgegeben (DRV 2011). Darin werden qualitative Standards für die medizinisch-berufliche Diagnostik und Therapie definiert. Diese Standards finden in unserer Klinik Anwendung.

Als erster Schritt werden Rehabilitanden mit arbeits- und berufsbezogenen Problemlagen identifiziert. Dies erfolgt in unserer Klinik zu Beginn der Rehabilitation mit dem Würzburger Screening, einem Selbstbeurteilungsverfahren, das die Nicht-Rückkehr oder die Rückkehr an den Arbeitsplatz gut prognostizieren kann. Zur Eingangsdiagnostik gehören, neben dem Würzburger Screening, die ärztliche Anamneseerhebung, die Erhebung der Sozial- und Arbeitsanamnese, die körperliche Untersuchung, ein ergotherapeutisches Assessment und die neuropsychologische und ggf. logopädische Aufnahmeuntersuchung. Hieran schließt sich eine arbeits- und berufsbezogene Diagnostik mit Fragebogeninstrumenten, die das Fähigkeitsprofil und das Anforderungsprofil erfassen, an. Insbesondere Rehabilitanden mit krankheitsbedingten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit sowie Rehabilitanden, bei denen die Rückkehr an den alten Arbeitsplatz nicht möglich und eine Qualifizierung für eine andere Tätigkeit erforderlich ist, kommen für eine MBOR in Betracht. Patienten, die älter als 65 Jahre sind, eine Rente wegen Erwerbsminderung erhalten oder in aktiver oder passiver Altersteilzeit sind, einen Rentenantrag gestellt haben bzw. ein Renten- begehren haben, eine fehlende Motivation aufweisen, körperlich und psychisch nur wenig belastbar sind und Erkrankungen haben, die die Erwerbsfähigkeit ausschließen, kommen für eine MBOR nicht in Betracht. Nach Feststellung der Indikation für eine MBOR wird im Team festgelegt, welche Maßnahmen durchgeführt werden sollen.

In unserer Klinik besteht folgendes Angebot:

  • Sozialberatung
  • Gruppen (soziale Gruppenarbeit, problem- und stressorientierte Gruppenarbeit)
  • Belastungserprobung intern oder extern
  • Arbeitsbezogene medizinische Trainingstherapien (AMTT )
  • Zusammenarbeit mit externen Institutionen

In gemeinsamer Absprache zwischen dem Rehabilitanden, den behandelnden Ärzten, dem Therapeuten und dem Sozialdienst wird ein Therapieplan erstellt. Mit dem Rehabilitanden werden Therapieinhalte und Therapieziele vereinbart. Diese werden regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst. Als wichtige berufsorientierte therapeutische Maßnahmen werden interne und externe Belastungserprobungen und eine arbeitsbezogene medizinische Trainingstherapie angeboten. Bei den Belastungserprobungen geht es darum, die körperliche und psychische Belastbarkeit des Rehabilitanden zu ermitteln. Bei einer internen Belastungserprobung übernehmen die Rehabilitanden Aufgaben in einem geeigneten Bereich der RHÖN-KLINIKUM AG am Standort (z. B. Küche, Verwaltung, Handwerk). Diese Aufgaben entsprechen weitgehend den Anforderungen im Beruf des Rehabilitanden. So kann eingeschätzt werden, wie gut die individuellen Fähigkeiten einerseits und die beruflichen Anforderungen andererseits zueinander passen. Die interne Belastungserprobung wird jeweils halbtags durchgeführt und dauert in der Regel 7–14 Tage. Bei der externen Belastungserprobung wird die Arbeits- und Belastungsfähigkeit des Rehabilitanden in einem realitätsnahen Arbeitsumfeld außerhalb der Klinik überprüft (Dauer ebenfalls 7–10 Tage, halbtags oder ganztags). Die arbeitsbezogene medizinische Trainingstherapie wird vor allem von den Ergotherapeuten durchgeführt. Hierzu steht ein speziell ausgestatteter Therapieraum zur Verfügung. Folgende arbeitstherapeutische Maßnahmen werden angeboten: Handwerkstherapie, spezielles Feinmotoriktraining, Küchentraining und Training neuropsychologischer Funktionen.

Im Sinne einer partizipativen Entscheidungs- findung werden alle Entscheidungen zu arbeits- und berufsbezogenen Maßnahmen mit dem Rehabilitanden besprochen. Jeder Rehabilitand erhält vom Sozialdienst unserer Klinik eine individuelle Beratung zu berufsbezogenen Fragen. Darüber hinaus werden Beratungsgespräche in der Klinik auch durch den Reha-Fachberater der Deutschen Rentenversicherung durchgeführt. Zudem erfolgt eine soziale Gruppenarbeit, die vom Sozialdienst unserer Klinik geleitet wird. Die Motivation, sich während der medizinischen Rehabilitation mit berufsbezogenen Inhalten auseinanderzusetzen, kann nicht immer vorausgesetzt werden, sondern wird bei Bedarf durch Maßnahmen der Motivationsförderung gezielt unterstützt. Die wichtigste Methode zur Motivationsförderung ist das persönliche Gespräch. Darüber hinaus erhält der Rehabilitand eine Informationsbroschüre, die das arbeits- und berufsbezogene Angebot unserer Klinik darstellt. Die Motivation für die Auseinandersetzung mit berufsbezogenen Inhalten wird auch im Rahmen eines Vortrags und der sozialen Gruppenarbeit thematisiert.

Nach Abschluss der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation erfolgt eine sozialmedizinische Leistungsbeurteilung durch das Team mit anschließender Festlegung weitergehender Maßnahmen. Im Abschlussgespräch werden mit dem Patienten die Therapieergebnisse und die weiterführenden Maßnahmen besprochen. Vom Sozialdienst unserer Klinik werden die entsprechenden Maßnahmen (z. B. stufenweise berufliche Wiedereingliederung) eingeleitet. Im DRV-Entlassungsbericht wird die sozialmedizinische Beurteilung zusammenfassend dargestellt.