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Ellenbogeninstabilität

Bei einer Verrenkung (Luxation) des Ellenbogengelenkes kann es zu schweren Verletzungen des Knochens und der Weichteile kommen. Die unkomplizierte Luxation, die schnell einer Einrenkung (Reposition) zugeführt wird, heilt in den meisten Fällen auch ohne Operation aus.

Liegen jedoch Frakturen oder so erhebliche Kapsel-Bandverletzungen vor, dass eine sofortige Instabilität verbleibt, wird eine operative Rekonstruktion erforderlich.

Auch bei zunächst erfolgreicher konservativer Behandlung können sich Beschwerden als Folge einer unzureichenden Ausheilung entwickeln. Diese können sich darin äußern, dass der Ellenbogen erneut auskugelt oder bei bestimmten Bewegungen unsicher anfühlt: Es wird ein schmerzhaftes „Schnappen“ oder "Wegknicken des Armes" angegeben.

Akute Ellenbogenluxation

Technik:

Frische Luxation

Nach einer akuten Luxation mit erheblichen Bandzerreißungen wird je nach Schädigungsort außen- oder innenseitig (lateral oder medial) der Bandapparat rekonstruiert. Die Bandreste werden dargestellt und entweder direkt vernäht oder nach Ausriss aus dem Knochen mit Knochenankern befestigt.

Chronische Bandinstabilität

Bei chronischen Instabilitäten ist eine direkte Naht der betroffenen Weichteile nicht mehr möglich und man muss ein Ersatzverfahren wählen. Ähnlich der Ersatzplastik des vorderen Kreuzbandes am Kniegelenk mittels Semitendinosus-Sehne, wird von uns hierbei ein Streifen aus der hinteren Trizepssehne entnommen. Dieses Transplantat wird dann durch die ursprünglichen Ansatzpunkte am Ober- und Unterarm geführt und dort mittels Knochentunneln oder Nahtankern befestigt.

Vorher wird probeweise mit vorgelegten Fäden geprüft, ob die Knochentunnel an der richtigen Stelle sitzen bzw. ob die Ansatzpunkte der künftigen Bänder am richtigen Punkt ansetzen.

Abb.: Beispiel für eine Bandrekonstruktion am äußeren (lateralen) Ellenbogen und am inneren (medialen) Ellenbogen (aus: Rolf O., Gohlke F. (2002): TrizepsFascienlappenplastik zur Rekonstruktion der Collateralbänder am Ellenbogengelenk. Operat Orthop Traumatol 14: 74-87)

Operation bei knöchernen Verletzungen

Bei zusätzlichen Knochenbrüchen bei einer Luxation müssen diese rekonstruiert werden, da das Ellenbogengelenk als Scharniergelenk vor allem knöchern geführt wird. Je nach Ausprägung müssen offene Osteosyntheseverfahren mit speziellen Schrauben und Platten an der Elle (Ulna), Speiche (Radius) und dem unteren Oberarm (distaler Humerus) vorgenommen werden.

Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Kronenfortsatz der Elle (Processus coronoideus) zu, der die Stabilität in Streckung unterstützt. Ist hier mehr als ein Drittel abgerissen droht eine dauernde Instabilität.

Auch das Radiusköpfchen kann so erheblich verletzt sein, dass eine Rekonstruktion nicht möglich ist und dann dieses entfernt werden muss. Die Entscheidung, ob eine Radiusköpfchenprothese zu implantieren ist, hängt in erster Linie von der begleitenden Instabilität ab. Liegen zusätzliche Bandzerreißungen insbesondere des inneren (medialen) Bandapparates vor, kann eine solche Prothese zumindest vorübergehend das Gelenk stabilisieren. Häufig muss dieser Ersatz des Speichenköpfchens wieder entfernt werden, wenn zwischenzeitlich eine ausreichend stabile Heilung der Bänder erreicht wurde.

Nachbehandlung:

In der Regel muss für 6-8 Wochen eine Ellenbogen-Orthese mit begrenztem Bewegungsumfang getragen werden. In dieser Zeit erfolgt die langsame Mobilisierung des Gelenks unter krankengymnastischer Anleitung. Arbeitsfähigkeit erreicht man bei geringer körperlicher Arbeit frühestens nach 4 Wochen, bei schwerer Arbeit dauert es erfahrungsgemäß deutlich länger, mindestens 2-3 Monate. Sport sollte erst nach 6 Monaten durchgeführt werden.