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Nervenverletzungen

Definition

Nerven sind Leitungsbahnen, die sich nach körperfern laufend weiter aufzweigen und dünner werden. Ihre kleinste Einheit ist die Nervenfaser, der Ausläufer der Nervenzelle, welche im Rückenmark sitzt. Die Nervenfasern sind in unterschiedlicher Zahl in Gruppen angeordnet und von Hüllen umgeben. Die Nervenfasergruppen sind in Bindegewebe eingebettet. Darin verlaufen auch Blutgefäße, Lymphbahnen und elastische Fasern. Die Struktur und Funktion ist somit stark vereinfacht einem Kabel vergleichbar. Nerven leiten Bewegungs- oder Gefühlsreize.

Am Arm gibt es drei Hauptnerven:     

  • Mittelnerv (Nervus medianus)
  • Ellennerv (Nervus ulnaris)
  • Speichennerv (Nervus radialis)

Ursachen

Verletzungen treten als vollständige oder teilweise Durchtrennung in Erscheinung. Auch Quetschungen, Dehnungen oder Ausrisse führen zu Ausfällen im Versorgungsgebiet des jeweiligen Nerven.

Erscheinungsbild

Je nach Höhe der Nervenschädigung kommt es sofort oder verzögert zu Lähmungen und/oder Gefühlsausfällen in den dem jeweiligen Nerven zugehörigen Muskeln und Hautabschnitten.

Untersuchung

Bei jeder Verletzung, ob offen oder geschlossen, muß die Nervenbeteiligung geprüft werden. Die klinische Prüfung ist jedoch schwierig und auch beim wachen und kooperativen Patienten unzuverlässig. Oft verbergen sich unter kleinen und oberflächlich aussehenden Wunden ausgedehnte oder Teildurchtrennungen, die übersehen werden können.

Bei geringstem klinischen Verdacht muß eine Nervenverletzung durch operative Freilegung ausgeschlossen bzw. bestätigt werden.

Ältere Schädigungen sind gekennzeichnet durch Muskelschwund, Hautverschmächtigung und Fehlstellungen der Gelenke, z.B. in Form einer Krallenhand bei hoher Schädigung des Ellennerven.

Die Schädigungsstelle kann durch Beklopfen festgestellt werden, da aussprossende Nervenfasern zu Überempfindlichkeit und elektrisierenden Schmerzen führen können. Die neurophysiologische Untersuchung (Messung der Nervenleitgeschwindigkeit) ist erst wenige Wochen nach Verletzung aussagekräftig.

Behandlung

Da die Erholung eines Nerven bereits unmittelbar nach seiner Schädigung einsetzt, ist die frühzeitige Versorgung, d.h. binnen Tagen, durch einen in mikrochirurgischer Technik erfahrenen Chirurgen grundsätzlich angezeigt.

In den meisten Fällen ist eine spannungsfreie Naht End-zu-End möglich.
Selten bzw. meist erst bei veralteten Durchtrennungen ist eine Defektüberbrückung durch Nerventransplantation (Verpflanzung eines anderen Nerven z.B. Hautnerv von Unterarm oder Fuß) oder Schienung (Tube) nötig.

Als Späteingriffe kommen auch Neurolysen und Neuromresektionen (Befreiung des Nerven aus Vernarbungen und Entfernung von falsch ausgesprossten Nervenfasern) oder gar motorische Ersatzoperationen (Wiederherstellung der Muskelfunktion durch Umlagerung gesunder Muskeln auf auf die Sehnen gelähmter Muskeln) in Betracht.

Ergebnisse

Die Behandlungsergebnisse sind umso besser, je einfacher die Verletzung, je besser und frühzeitiger die Versorgung und je jünger, gesünder und kooperativer der Patient ist.