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Motorische Ersatzoperationen

Definition

Motorische Ersatzoperationen dienen der Wiederherstellung einer ausgefallenen Muskelfunktion durch Sehnen- oder Muskelverlagerung eines anderen Muskels. Auf diese Art kann der neue “Motor” auf Kosten des Verlustes einer weniger bedeutenden ursprünglichen Funktion die wichtigere verlorengegangene Bewegung ersetzen.

Ursachen

Neben der Zerstörung von Muskeln oder Muskelgruppen als direkte oder indirekte Unfallfolge (Muskeluntergang durch Mangeldurchblutung, z. B. Volkmannsche Kontraktur) ist die irreparable Lähmung durch eine Verletzung eines einzelnen Nerven oder auch des Armnervengeflechts (Plexus brachialis) die Hauptursache für den umschriebenen Funktionsausfall.

Indikation

Motorische Ersatzoperationen kommen in Betracht, wenn ein Eingriff am betroffenen Nerven ohne Aussicht auf Erfolg ist, erfolglos war oder die betroffene Muskulatur untergegangen ist (Ischämische Muskelkontraktur).

Beispiele für motorische Ersatzoperationen:

  • Opponensplastik:
    Zur Wiederherstellung der Fähigkeit der Gegenüberstellung des Daumens zu den anderen Fingern und damit der Greiffunktion des Daumens bei Ausfall der Daumenballenmuskulatur (Medianusparese) wird z.B. eine Beugesehne des Ringfingers (jeder Finger hat zwei Beugesehnen) zum Daumen umgeleitet.
  • Radialisersatzoperation:
    Bei Ausfall des Speichennerven mit Verlust der Handgelenks- und Fingerstreckung können einzelne Muskeln von der Beugeseite auf die Streckseite des Unterarmes verlagert werden, um diese Funktionen zu übernehmen.
  • Freie Muskeltransplantation mit Nerven- und Gefäßanschluß:
    Bei ischämischer Muskelkontraktur mit Beteiligung mehrerer Muskelgruppen und Nerven am Unterarm, bei der kein funktionsfähiger Muskel vor Ort zur Verfügung steht, kann ein Muskel von einer anderen Körperregion entnommen und mit seinen Sehnen auf die Muskeln des Unterarmes transplantiert werden. Hierzu ist ein mikrochirurgischer Anschluß eines Blutgefäßes und eines Nerven notwendig. Für diese Transplantation kommt ein Muskel aus dem Oberschenkel oder vom Rücken in Betracht.

Prognose

Eine vollständige Wiederherstellung der verlorengegangenen Handfunktion ist nicht möglich; es handelt sich um eine Ersatzoperation. Die Operationen ermöglichen eine Verbesserung der Greiffähigkeiten der Hand mit einem - für den Einzelnen - erheblichen Funktionsgewinn.

Mögliche Komplikationen

Trotz größter Sorgfalt kann es zu Schädigungen von Nerven kommen, die durch die ursprüngliche Verletzung nicht betroffenen waren. Eine Lockerung der Nahtstellen kann in der Folge zu einer Schwäche der gewünschten Muskelfunktion führen bzw. den Bewegungsumfang einschränken. Verwachsungen und Verklebungen der verlagerten Sehnen führen ebenfalls zu einer Einschränkung des Bewegungsumfanges. In diesem Fall können Folgeoperationen notwendig werden.

Was der Patient wissen sollte

Vorbedingung zur Operation ist die freie passive Beweglichkeit der betroffenen Gelenke. Es ist eine intensive und lang andauernde krankengymnastische und ergotherapeutische Nachbehandlung notwendig mit zuverlässiger Mitarbeit des Patienten. Bis zur Übungsstabilität der Sehnennähte (etwa 4 Wochen) ist eine Immobilisierung im Gipsverband notwendig, die anschließende krankengymnastische und ergotherapeutische Übungsbehandlung dient der Erarbeitung der neuen Bewegungsmuster und der Koordination, die auch im Gehirn umgelernt werden müssen. Ein Nachbehandlungszeitraum von gut einem halben Jahr ist einzuplanen.