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Komplexes Regionales Schmerzsyndrom

(CRPS – Complex Regional Pain Syndrome)

Definition

Unter einem CRPS versteht man eine schmerzhafte Erkrankung die typischerweise an den Gliedmaßen auftritt, aber auch jede anderen Stelle des Körpers betreffen kann.

Synonyme für diese Erkrankung sind:

  • Algodystrophie
  • Sympathische Reflexdystrophie
  • Kausalgie
  • Morbus Sudeck (der deutsche Chirurg Paul Sudeck hat diese Erkrankung erstmals beschrieben)
  • Reflex Sympathetic Dystrophy Syndrome (RSDS)

Die schmerzhafte Erkrankung der Gliedmaßen tritt meist als Folge einer oft nur leichten Verletzung oder eines operativen Eingriffs auf und geht mit Hautveränderungen, Schwellung sowie Bewegungs- und Funktionsstörungen und Brennschmerz einher. Beim CRPS können die Symptome unmittelbar nach der Verletzung oder Operation auftreten. Oft entwickeln sich diese Symptome erst nach einigen Wochen oder nach einer Ruhigstellungsphase. Die Krankheit kann in Stadien verlaufen, deren Übergänge fließend sind. Im Endstadium kann es zum kompletten Funktionsverlust der betroffenen Gliedmaßen kommen. Die Krankheitsdauer variiert sehr stark. Milde Formen können nach einigen Wochen von selbst ausheilen. In vielen Fällen hält der Schmerz jahrelang an, in manchen Fällen lebenslang. Die Intensität der Erkrankung ist wechselhaft. Neben Phasen der Besserung, die Wochen bis Jahre anhalten können, gibt es Phasen der Verschlechterung. Die Therapie ist interdisziplinär und sollte so früh wie möglich begonnen werden. Sie umfasst im Wesentlichen das ganze Spektrum der Physio- und Ergotherapie, der medikamentösen und invasiven Schmerztherapie sowie der Psychotherapie. Ziel ist die Erhaltung bzw. die Wiederherstellung der Funktion der betroffenen Gliedmaßen.

Ursachen

Es ist bis heute nicht voraussagbar, wer ein komplexes regionales Schmerzsyndrom entwickelt und es ist unklar, weshalb dies geschieht.

Eine körperliche Ursache der Erkrankung konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Vermutet wird eine Störung in der Schmerzweiterleitung im zentralen Nervensystem, die zu einer überschießenden Reaktion des Sympathikus, einem Teil des nicht vom Willen beeinflussbaren Nervensystems, führt. Dieses hat Einfluss auf die Durchblutung, die Ernährung und den Zustand der Gewebe.

Krankheitsbild

Die Symptome treten anfangs auf der Seite der vorausgegangenen Verletzung oder Operation auf, im Krankheitsverlauf können sie sich jedoch ausbreiten. Man unterscheidet die regionale Ausbreitung, z.B. von der Hand zur Schulter, die Ausbreitung zur gegenüberliegenden Seite und die unabhängige Ausbreitung zu einer beliebigen entfernten Körperregion.

Neben den unverhältnismäßig starken Schmerzen können folgende Symptome auftreten:

  • Hautveränderungen
  • Schwellung
  • Bewegungs- und Funktionsstörungen

Schmerzen

Der Schmerz ist das Hauptsymptom des CRPS. Er ist unverhältnismäßig stark, anhaltend, und kann sich durch Belastung, Bewegung oder durch geringste Berührung verstärken. Besonders nachts ist er unerträglich. Sein Charakter wird meist als brennend und tief beschrieben, kann aber auch krampfartig und einschießend sein. Oft kommen noch Missempfindungen wie Kribbeln oder Ameisenlaufen hinzu.

Hautveränderungen

Die Haut fühlt sich kalt oder warm an. An der betroffenen Gliedmaße tritt teilweise eine vermehrte Schweißbildung auf. Der Haarwuchs kann verstärkt, die Nägel können brüchig und das Nagelwachstum kann beschleunigt oder verlangsamt sein. Die Hautverfärbungen reichen von weißen Flecken bis zu rötlichen und bläulichen Veränderungen. Aber auch alle anderen, vorher nicht vorhandenen Hauterscheinungen, können mit der Erkrankung einhergehen.

Schwellung

Die Schwellung fehlt typischerweise selten, ist oft belastungsabhängig und wechselt in ihrer Intensität. Sie beschränkt sich normalerweise auf die schmerzhafte Gliedmaße.

Bewegungs- und Funktionsstörungen

Die Beweglichkeit der betroffenen Gliedmaße ist einerseits durch die Schmerzen eingeschränkt, andererseits beeinträchtig die ausgeprägte Schwellung die Funktion der Hand. Wird nun die Gliedmaße geschont oder ruhig gestellt, kommt es sehr schnell zu einer Inaktivitätsatrophie der Muskulatur, zur Verkürzung von Sehnen und Bändern und zur Versteifung der Gelenke. Außerdem können Zittern und Muskelkrämpfe auftreten.

Im schlimmsten Fall findet sich am Ende eine funktionslose versteifte Gliedmaße. Dieser Endzustand ist nicht umkehrbar.

Behandlung

Da es sich beim CRPS um ein komplexes Krankheitsgeschehen handelt, verfolgen wir konsequent ein interdisziplinäres Therapiekonzept, d.h. verschiedene Abteilungen sind an der Behandlung beteiligt (Handchirurgie, Anästhesie, Psychosomatik, Physio- und Ergotherapie).

Neben der Schmerzbekämpfung steht die Erhaltung bzw. die Wiederherstellung von Beweglichkeit und Funktion der Gliedmaße an erster Stelle.

Zur Anwendung kommen unter anderem:

  • Schmerztherapie mit modernen, nebenwirkungsarmen Medikamenten
  • Stellatumblockaden
  • Neuraltherapeutische Verfahren
  • Elektrotherapie
  • Massagen
  • Aktive und passive Bewegungsübungen
  • Manuelle Therapie
  • Wärme- und Kälteanwendungen