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Symposium und Patientenveranstaltung zum 5-jährigen Bestehen der Klinik für Schulter- und Ellenbogenchirurgie

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Klinik für Handchirurgie Bad Neustadt | 05.11.2015

Symposium und Patientenveranstaltung zum 5-jährigen Bestehen der Klinik für Schulter- und Ellenbogenchirurgie

2010 baute Prof. Dr. Frank Gohlke als Chefarzt eine Abteilung an der Herz- und Gefäß-Klinik in Bad Neustadt auf, die sich in Erweiterung der bestehenden Klinik für Handchirurgie mit Erkrankungen und Verletzungen des Schulter- und Ellenbogen-Gelenkes befasst. Am 14. November finden die Feierlichkeiten zum 5-jährigen Jubiläum statt, zu dem Prof. Gohlke, der derzeit auch Ärztlicher Direktor der Klinik für Handchirurgie ist, sowohl Patienten als auch Fachpersonal herzlich einlädt. Die Klinik für Schulterchirurgie am Campus Bad Neustadt genießt einen exzellenten Ruf bei Patienten im gesamten Bundesgebiet und auch international ist der Mediziner ein anerkannter Experte: Im Herbst des vergangenen Jahres wurde Prof. Gohlke zum Vorsitzenden der Europäischen Gesellschaft für Schulter- und Ellenbogenchirurgie (SECEC) gewählt. Mit dem „kleinen“ Jubiläum knüpft Prof. Frank Gohlke an seine großen Erfolge in diesem Fachgebiet an. Bereits 1994 gründete er in Würzburg die Deutsche Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie (DVSE), die einzige Fachgesellschaft für Schulter- und Ellenbogenerkrankungen in Deutschland. Der Jubiläumskongress zum 20-jährigen Bestehen, wieder in Würzburg abgehalten, war mit 770 Teilnehmern ebenfalls ein großer Erfolg. Alle zwei Jahre wird seither ein Operationskurs über Innovationen in der Schulter- und Ellenbogenchirurgie in der Anatomie der Universität Würzburg abgehalten.

Im Interview gibt Prof. Gohlke einen Einblick in die Vielfältigkeit seiner Tätigkeit als Mediziner, Wissenschaftler und Präsident einer weltweit sehr erfolgreich agierenden, medizinischen Fachgesellschaft:

Sie haben die Schulter- und Ellenbogenchirurgie in der renommierten Klinik in Bad Neustadt aufgebaut und leiten diese seither erfolgreich. Was ist Ihr Erfolgsrezept für den guten Ruf Ihres Faches?

Die Klinik für Schulter- und Ellenbogenchirurgie ist international anerkannt und zieht daher überregional Patienten, die oftmals schwierige und komplexe Fälle darstellen, auf den Campus Bad Neustadt. Insbesondere im Bereich von Revisionen und Wechseloperationen, also bei Patienten, die nach einer fehlgeschlagenen Behandlung einer anderen Einrichtung zu uns kommen, haben wir uns einen überregional exzellenten Ruf erarbeitet. Vor 5 Jahren haben wir damit begonnen, hier moderne Endoprothetik auf hohem Niveau zu etablieren. Regional hat sich unser traditioneller Einzugsbereich weit nach Thüringen und Hessen ausgedehnt.

Die Ursache für diese breite Akzeptanz in der Bevölkerung dürfte insbesondere darin liegen, dass wir uns um den Patienten als Ganzes kümmern. Dies umfasst natürlich auch die perioperative Schmerz- und Physiotherapie. Wir bieten eine solide und komplikationsarme Chirurgie auf hohem Niveau für Standardverfahren wie zum Beispiel Gelenkstabilisierungen oder Rekonstruktionen der Rotatorenmanschette an. Insbesondere die Kooperation mit dem Fachbereich für Anästhesie und Intensivmedizin unter Chefarzt PD Dr. Michael Dinkel bietet große Vorteile für unsere Patienten im Bereich des Schmerzmanagements. Mir ist es wichtig, dass die Patienten mit einem sicheren Gefühl in die Rehabilitation entlassen werden. Dies erstreckt sich auch auf die Beratung vor der Operation und die Hilfestellungen für den weiteren Verlauf.

Welche bedeutsamen Innovationen haben aus Ihrer Sicht die Schulter- und Ellenbogenchirurgie in den letzten fünf Jahren geprägt?

Das sind insbesondere die Endoskopische Chirurgie und die Endoprothetik. Der Grund hierfür liegt in den vielfältigen Neuerungen der letzten Jahre. Das Wissen in der Schulterchirurgie hat eine Halbwertszeit von etwa 2 Jahren erreicht und weist damit die rasanteste Entwicklung innerhalb der Orthopädischen Chirurgie auf. Daher ist es für uns besonders wichtig, international am Ball zu bleiben, kontinuierlich über den Tellerrand zu schauen und die neuesten Entwicklungen gut zu verfolgen. Dennoch springen wir nicht auf jeden Zug auf, da wir feststellen mussten, dass so mancher „minimal invasive Hit“ beträchtliche Risiken für den Patienten birgt.

Die Akzeptanz der Geschäftsführung für die Umsetzung neuer Technologien ist gut, sodass aus medizinischer Sicht eine optimale Versorgung der Patienten ermöglicht wird. So kommen Verfahren bei uns zum Einsatz, die trotz wissenschaftlich nachgewiesener Vorteile für den Patienten immer noch nicht von den Kostenträgern übernommen werden. Ein Beispiel ist die sogenannte „Patientenspezifische Instrumentation (PSI)“ in der Schulter-Endoprothetik. Der Einsatz dieser individuell nach einem Computertomogramm angefertigten Hilfsinstrumente bietet dem Operateur deutlich mehr Information, eine signifikant präzisere Operation und damit auch bessere Langzeitergebnisse für den Patienten.

Wenn Sie Ihr Berufsleben Revue passieren lassen: Welche fachlichen Innovationen haben Sie in Ihrer Arbeit am meisten geprägt?

Das ist neben der Entwicklung der Bildgebenden Verfahren, wie der Sonografie und Kernspintomografie, insbesondere die arthroskopische Chirurgie, im Volksmund auch als „Schlüsselloch-Chirurgie“ bezeichnet, die die Sportmedizin revolutioniert hat. Die sogenannte „inverse Schulte- Endoprothetik“ war ein Meilenstein, sie hat dem Patienten mit Sehnendefekten wieder einen annähernd normalen Bewegungsumfang zurückgegeben. Knochensparende Implantate schonen immer mehr die körpereigene Substanz. Das reduziert Komplikationen und bietet Vorteile für den Langzeitverlauf.

Wovon profitieren Ihre Patienten am meisten?

Das hohe Maß an Spezialisierung und die große „Schlagzahl“, auch an schwierigen Eingriffen, fördert die Patientensicherheit und den Ausbildungstand der Mitarbeiter.

In welchem Bereich sehen Sie das größte Potential?

Auf jeden Fall in dem Bereich der Arthroskopischen Chirurgie sowie im Bereich der Endoprothetik. In den letzten Jahren war aber auch ein Anstieg der Versorgung von Frakturen zu verzeichnen. Die Oberarmkopf-Fraktur ist mittlerweile die häufigste Fraktur des alten Menschen, insbesondere bei Frauen, die ein deutlich höheres Risiko haben, an Osteoporose zu erkranken. Die früher üblichen Osteosyntheseverfahren mit Platten und Nägeln haben immer noch eine hohe Komplikationsrate, die durch den Einsatz spezieller, inverser Kunstgelenke bei Trümmer¬brüchen und schlechter Knochenqualität deutlich verbessert werden konnte.

Die Behandlung von Erkrankungen und Verletzungen des Ellenbogens nimmt nicht zuletzt durch den Einsatz der arthroskopischen Chirurgie und moderner Osteosyntheseverfahren einen deutlichen Aufschwung.

Welches bedeutsame Projekt steht für Sie als Präsident der Europäischen Gesellschaft für Schulter- und Ellenbogenchirurgie als nächstes an?

Vor allem im Bereich der zertifizierten Ausbildung und der Qualitätskontrolle machen wir Fortschritte. Derzeit erarbeiten wir die Richtlinien für das Europäische Examen des Orthopädischen Chirurgen auf dem Gebiet der Schulter- und Ellenbogenchirurgie in Zusammen¬arbeit mit der allgemein-orthopädischen Dachgesellschaft in Europa (EFORT). Gleichzeitig versuchen wir auch, die wissenschaftliche Aufarbeitung der vielfältigen neuen Technologien hinsichtlich der Erfolgs- und Komplikationsraten voranzutreiben.

Wie wichtig sind für Sie als Chefarzt der Patientenkontakt und das Feedback der Patienten?

Sehr wichtig. Leider haben wir aufgrund der von der Gesundheitspolitik vorgegebenen strikten Trennung in den ambulanten und stationären Sektor wenige Möglichkeiten unsere Patienten erneut zu sehen. Dennoch versuchen wir mit ihnen in Kontakt zu bleiben und im Rahmen wissenschaftlicher Nachuntersuchungen eine Qualitätskontrolle unserer Maßnahmen zu erreichen.

Wie kamen Sie zur Schulter- und Ellenbogenchirurgie? Was bedeutet der Beruf für Sie?

Angefangen habe ich 1983 mit der Orthopädischen Chirurgie. Zu diesem Zeitpunkt hat die Schulter- und Ellenbogenchirurgie kaum existiert. An der Orthopädischen Universitätsklinik in Würzburg hatten wir damals 20 Fälle pro Jahr. Als ich im Jahr 2009 nach Bad Neustadt wechselte, waren es bereits 1.500 Fälle pro Jahr. Die Schulter- und Ellenbogenchirurgie hatte vor mehr als 30 Jahren noch einen schlechten Ruf, der erst mit Einführung moderner Operationsverfahren zunehmend besser wurde. Dieses Fach hat in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung genommen, da insbesondere Schultererkrankungen in der Gesamtheit aller Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparates einen Spitzenplatz einnehmen. In Skandinavien haben aktuelle Analysen gezeigt, dass Schultererkrankungen hinsichtlich der Gesamtkosten im Gesundheitswesen an die Spitze gerückt sind. Studien in Deutschland haben gezeigt, dass Schmerzen der Schulter- und Nackenregion hinter Kopfschmerzen auf Platz zwei der Statistik stehen.

Treiben Sie Sportarten, die ungesund für die Schulter sein könnten? Wie fit sind Ihre Schultern?

Wenn es die Zeit erlaubt, schwimme ich täglich mindestens 1000 Meter nach der Arbeit. Im Adami-Bad des SV-05 in Würzburg fällt man allerdings schon fast auf, wenn man als „Late-Night-Swimmer“ weniger als 20 Bahnen schiebt. Diesen Tipp gebe ich gerne weiter: Jede Bahn (50 Meter) im Wechsel zwischen Brust, Kraul und Rücken - das ist nicht nur gut für Kreislauf und Ausdauer der Muskulatur; es erhält auch Koordination und Beweglichkeit. Wer so im Training bleibt, hat gute Aussichten, dass Schulter und Ellenbogen bis in das hohe Alter leistungsfähig bleiben.