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Akuter Myokardinfarkt

Ursachen

Der akute Herzinfarkt oder akute Myokardinfarkt ist eine akute, lebensbedrohliche Erkrankung des Herzens. Der Herzinfarkt ist eine der Haupttodesursachen in den Industrienationen. In Deutschland sterben etwa 300 Patienten pro 100 000 Einwohner jährlich an einem Herzinfarkt. Laut der Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes starben im Jahr 2004 rund 65 000 Menschen in Deutschland an einem Herzinfarkt, er lag damit an zweiter Stelle der Todesursachen. 

Der Herzmuskel heißt in der Fachsprache „Myokard“. Bei einem Myokardinfarkt handelt es sich um das Absterben von Teilen des Herzmuskels, welches durch Durchblutungsstörungen (die so genannte Ischämie) entsteht. Diese Durchblutungsstörungen dauern in der Regel länger als 20 Minuten. Die Mehrzahl der Herzinfarkte entstehen durch eine koronare Herzkrankheit (KHK), bei der die Herzkranzgefäße durch Ablagerungen (Plaques) bereits stark verengt oder sogar verschlossen sind, so dass in Ruhe nicht mehr genügend Blut zum Herzmuskel transportiert wird, um die Sauerstoffversorgung zu gewährleisten. Herzinfarkte werden fast immer durch eine plötzliche Minderdurchblutung in einem Herzkranzgefäß hervorgerufen. Die mangelhafte Durchblutung beruht auf der arteriosklerotischen Gefäßveränderung mit zusätzlichen Blutgerinnseln (der so genannten Koronarthrombose) und ist von krampfartigen Gefäßverengungen (Koronarspasmus) begleitet.

Die Hauptrisikofaktoren für Herzinfarkte sind Alter, Rauchen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, eine erbliche Veranlagung sowie erhöhte Cholesterinwerte. Ein erhöhtes Herzinfarktrisiko haben auch Patienten mit Übergewicht, Bewegungsmangel und falscher Ernährung.

Symptome

Bei den meisten Patienten gibt es bei einem Herzinfarkt Brustschmerzen unterschiedlicher Stärke und Qualität. Typisch ist ein starkes Druckgefühl hinter dem Brustbein oder ein Engegefühl im ganzen Brustkorb. Die Schmerzen strahlen häufiger in den linken Arm, können aber auch in den Hals, die Schultern, den Oberbauch oder den Rücken ausstrahlen. Viele Patienten sprechen von einem „Vernichtungsschmerz“, der mit akuter Atemnot, Übelkeit und dem Gefühl der Todesangst einhergeht.

Der Unterschied zwischen einem Angina pectoris-Anfall und einem Herzinfarkt ist, dass sich bei einem Herzinfarkt die Beschwerden nicht durch die Gabe von Nitropräparaten, die für eine höhere Durchlässigkeit der Herzkranzgefäße sorgen, bessern. Auch verschwinden die Schmerzen nicht durch eine Beendigung der Belastung, wie es bei einer stabilen Angina pectoris normalerweise der Fall ist.

Es ist durchaus möglich, dass Herzinfarkte keine, nur geringe oder untypische Symptome erzeugen. Manchmal werden sie auch erst nachträglich diagnostiziert, wenn Patienten zu einer EKG-Untersuchung kommen oder eine Herzultraschall-Untersuchung durchgeführt wird.

Diagnostik

Das wichtigste Untersuchungsverfahren für Herzspezialisten bei Verdacht auf Herzinfarkt ist das EKG. Da sich dieses im Vergleich zu einem gesunden Herzen deutlich verändert, können Mediziner durch das EKG die Schwere des Herzinfarktes beurteilen und Hinweise auf das betroffene Herzkranzgefäß finden. Zu den angewandten Laboruntersuchungen gehört das Bestimmen von Herzmuskelenzymen (die Biomarker), die von absterbenden Herzmuskelzellen freigesetzt werden. Sie sind im Blut in erhöhter Konzentration vorhanden. Die klassischen Biomarker sind die Creatinkinase sowie das Troponin. Des Weiteren wird von den Ärzten bei einem Herzinfarkt eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (die Echokardiografie) angewandt.

Durch die Echokardiografie bekommt man wichtige Zusatzinformationen zur verbliebenen Pumpleistung des Herzens, zur Ausdehnung des Infarktes, ob der Herzmuskel Einrisse vorweist, zur Funktion der Herzklappen und ob sich Flüssigkeit im Herzbeutel angesammelt hat (Perikard-Erguss). Fast immer und fast immer nach der stationären Aufnahme wird auch eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt, die es ermöglicht Verschlüsse und Verengungen in den Herzkranzgefäßen zu finden.

In der Akutphase eines Herzinfarktes treten auch häufiger gefährliche Herzrhythmusstörungen auf. Es ist möglich, dass auch kleinere Infarkte durch Herzrhythmusstörungen zum Sekundenherztod führen. Mediziner gehen davon aus, dass sich etwa ein Drittel aller Todesfälle beim Herzinfarkt bereits vor jeder Laienhilfe oder medizinischen Therapie ereignen.

Therapie

Die ersten Minuten und Stunden nach einem Herzinfarkt sind entscheidend für den Patienten. Es besteht in den ersten Stunden die Gefahr, dass durch Kammerflimmern ein Herzstillstand ausgelöst werden könnte. In dieser Situation kann das Leben des Patienten nur durch einen Defibrillator gerettet werden. Innerhalb der ersten Stunden ist es möglich, durch eine Lysetherapie oder - noch besser - einen Herzkatheter mit Ballondilatation den Infarkt zu behandeln. Für Laien gilt, dass bei Verdacht auf Herzinfarkt sofort der Notarzt gerufen werden soll. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt folgende Maßnahmen: Nicht warten; Rettungsdienst unter 112 oder 110 anrufen und Verdacht auf Herzinfarkt äußern; nicht selbst mit dem Auto ins Krankenhaus fahren.

Durch ein schnell angefertigtes EKG lässt sich der Herzinfarkt erkennen und die Katheterbehandlung (oder heute seltener die Lysetherapie) kann begonnen werden. Um Herzrhythmusstörungen zu erkennen, wird eine kontinuierliche EKG-Überwachung begonnen. Durch die medikamentöse Therapie will der Arzt im Notfall zunächst die Sauerstoffversorgung des Herzens optimieren, die Schmerzen bekämpfen und weitere Blutgerinnsel vermeiden.

Bei einem Herzinfarkt geht es darum, möglichst rasch das verschlossene Herzkranzgefäß wieder zu öffnen und den Blutfluss zum Herzen zu gewährleisten. Diese Therapie nennen Mediziner Reperfusionstherapie. Je schneller und früher sie erfolgt, desto eher ist es möglich, ein Ausdehnen des Infarktes zu verhindern. Bei der Reperfusionstherapie wird das Gefäß entweder durch einen Katheter (per Ballondilatation und Stentimplantation) oder durch intravenöse Gabe eines gerinnselauflösenden Medikamentes (Lysetherapie oder Thrombolyse) geöffnet.

Im Anschluss an eine Krankenhausbehandlung wird in Deutschland oft eine ambulante oder stationäre Anschlussheilbehandlung empfohlen. Diese meist drei Wochen dauernde Maßnahme soll durch Krankengymnastik, dosiertes Training und psychosoziale Betreuung den Patienten wieder auf den Alltag vorbereiten. Nach einem Herzinfarkt ist eine lebenslange medikamentöse Therapie notwendig.

In der Regel bedeutet ein Herzinfarkt für den Patienten eine Umstellung seiner Lebensgewohnheiten. Wichtig sind eine gesunde ausgewogene Ernährung und ausreichende Bewegung. Der Fachbereich Kardiologie arbeitet hier Hand in Hand mit den Kollegen anderer Bereiche zusammen, um den Patienten gezielt zu therapieren.