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Inflammatorische Kardiomyopathien / Myokarditis

Ursachen

Die Myokarditis ist eine akute oder chronische Entzündung des Herzmuskels, die durch ein großes Spektrum infektiöser Faktoren hervorgerufen werden kann. Dazu zählen Viren, Bakterien, Rickettsien, Pilze, Parasiten, aber auch Gifte und Drogen wie Kokain, Interleukin 2 oder eine allergische Reaktion gegen Antibiotika. Die häufigste Ursache im klinischen Alltag ist aktuell die Parvo-Virus-B19-Infektion in Europa und Nordamerika sowie die durch Parasiten bedingte Chagas-Erkrankung in Südamerika.

Menschen, die ein geschwächtes Immunsystem haben, haben ein erhöhtes Risiko für eine Entzündung des Herzmuskels, denn bei ihnen ist es für Infektionen leichter, den Körper zu befallen und damit auch den Herzmuskel.

Symptome

Die Myokarditis ist bei plötzlich verstorbenen Patienten unter 40 Jahren die häufigste Grunderkrankung nach der HOCM und der ARVCM (siehe Link). Die Myokarditis führt zu fleckförmiger Zerstörung von Herzmuskelzellen mit bindegewebigen Narben. Je nachdem wie schwerwiegend die Zerstörung der Herzmuskelzellen ist, kann sich unter Umständen auch eine irreversible Herzschwäche entwickeln, bei der sich die Herzhöhle vergrößert. Durch den akuten Entzündungsprozess und das chronische Narbenstadium ergibt sich zusätzlich eine gesteigerte Neigung zu einer Erregungsleitungsstörung des Herzens, was sich in einem langsamen Pulsschlag widerspiegelt, sowie Rhythmusstörungen der Kammer, was bei Kammertachykardien zu schnellem Herzschlag führt. Dadurch besteht die Gefahr der Bewusstlosigkeit und des plötzlichen Herztodes.

Weitere mögliche Symptome sind neben den Herzrhythmusstörungen Fieber, Schwäche, Brustschmerzen, Luftnot, Lungenödeme sowie Schwellungen der Beine oder ein Perikarderguss (Herzbeutelerguss). Schmerzen im Brustkorb deuten darauf hin, dass der Herzbeutel mit beteiligt ist. Ödeme und Atemnot sind auch ein Zeichen einer Herzschwäche.

Diagnostik

Gestellt wird die Diagnose durch ein EKG, eine Echokardiographie und eine Magnetresonanztomographie. Richtungweisend ist die Magnetresonanztomographie mit Nachweis des entzündlichen Ödems der Herzwand (so genannte akute Myokarditis) oder dem Nachweis diffuser Narben der Herzwand, was auf eine chronische oder abheilende Myokarditis hindeutet. Herzkatheter und Herzmuskelbiopsie sind vor allem dann erforderlich, wenn die Magnetresonanztomographie Auffälligkeiten zu Tage fördert. Mittels Mikroskopie (Histologie, Immunhistologie) und gentechnischen Untersuchungen (Molekularpathologie, PCR, in situ-Hybridisierung) kann dann die abschließende Diagnose einer Myokarditis gestellt und die genaue Ursache gefunden werden (z.B. wenn eine Infektion durch den Parvo-Virus-B19 vorliegt). Sollte ein Virus als Ursache nachgewiesen werden, müsste über eine antivirale Behandlung gesprochen werden.

Es ist möglich, dass auch unbemerkt verlaufene Virusentzündungen des Herzmuskels zu immunologischen Reaktionen führen, die auch nach erfolgreicher Abtötung des Virus eine zunehmende Schädigung des Herzmuskels bewirken. Daraus kann sich dann auch das klinische Bild einer dilatativen Kardiomyopathie entwickeln.

Therapie

Dank ihrer Jahrzehnte langen Erfahrung verfügt die Herz- und Gefäß-Klinik Bad Neustadt über alle diagnostischen und therapeutischen Voraussetzungen für die Betreuung von Myokarditis-Patienten. Diese profitieren von den Klinik-Schwerpunkten in der nicht-invasiven Bildgebung in Kooperation mit dem Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Klinik, der Rhythmologie und der Kardiomyopathien. Zur Lösung spezieller diagnostischer Probleme stehen der Klinik international anerkannte und renommierte Kooperationspartner zur Verfügung. Die molekularpathologische Diagnostik erfolgt in Zusammenarbeit mit Univ.-Professor Dr. Kandolf am Institut für Molekulare Pathologie der Universität Tübingen. Die Vordiagnostik einschließlich der Magnetresonanztomographie hilft, die Myokardbiopsien gezielt zu entnehmen und die Notwendigkeit für die invasive Herzmuskelbiopsie gering zu halten.

Die klassische medikamentöse Behandlung der Herzschwäche kann ergänzt werden durch die Versorgung mit automatischen Defibrillatoren, biventrikulären Stimulationssystemen (CRT) und so genannten Assist Devices, mechanischen Herzunterstützungssystemen. Darüber hinaus hat die Herz- und Gefäß-Klinik natürlich umfassende Erfahrungen in der Vorbereitung und Nachsorge von Herztransplantationen.

In der Regel heilt eine Myokarditis folgenlos aus, wenn sie durch eine Virusinfektion bedingt war. Wichtig ist aber auf alle Fälle die körperliche Schonung des Patienten, bei der Einlieferung ins Krankenhaus auch verbunden mit strikter Bettruhe.