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In der Herz- und Gefäß-Klinik Bad Neustadt.

Leistungsspektrum

Koronarchirurgie

Koronarchirurgie

Die koronare Bypasschirurgie ist seit Gründung der Herz- und Gefäß-Klinik ein wichtiger Schwerpunkt. Wir haben seit 1984 über 110.000 Patienten am Herzen operiert, davon erhielten über 52.000 Patienten koronare Bypasse. Besonders spezialisiert haben wir uns auf

  • die koronare Revaskularisation unter Verwendung arterieller Bypassgefäße
  • die endoskopische Entnahme von Bypassgefäßen
  • die koronare Bypassoperation ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine (OPCAB)
  • die minimal-invasive koronare Bypassanlage (MIDCAB)

Die operative Revaskularisation mit Bypassen ist die wirksamste Langzeittherapie zur Behandlung der koronaren Herzerkrankung. Dies ist durch Studien belegt. Ein besonderer Vorteil zeigt sich für die Patienten mit einer koronaren Mehrgefäßerkrankung unter Einbeziehung der großen Vorderwandarterie, des Ramus interventricularis anterior (Synonyme: RIVA, LRD, RDA). Gleiche Vorteile bestehen bei Vorliegen einer Hauptstammstenose, einer reduzierten linksventrikulären Herzfunktion oder wenn zur gleichen Zeit andere Erkrankungen am Herzen wie Klappenerkrankungen vorliegen. Die nationalen Versorgungsleitlinien definieren, bei welcher Form der koronaren Herzerkrankung einer koronaren Bypassoperation der Vorzug gegenüber der alleinigen medikamentösen Therapie oder der Ballondilatation gegeben werden soll.

Wir verfolgen die Strategie, verschiedene Therapieoptionen für unterschiedliche Patientenprofile anzubieten. Wir schöpfen die Vorteile einer standardisierten Therapie voll aus. Wir sehen aber auch, dass eine zunehmende Zahl von älteren Patienten mit erheblichen Begleiterkrankungen und verschiedenen Risikoprofilen eine individuelle Anpassung der Operationstechnik erfordert. Dabei helfen uns heute die verschiedenen Innovationen in der koronaren Bypasschirurgie.

Mitralklappenchirurgie

Mitralklappenchirurgie

Für die Operation an der Mitralklappe besitzen wir eine weltweit ausgewiesene Expertise. Wir versuchen grundsätzlich die eigene Klappe zu erhalten. Der Anteil aller Mitralklappen, die in unserer Klinik rekonstruiert werden, liegt bei knapp 78 Prozent. Wenn es die Mitralklappe alleine betrifft, sind es sogar 82 Prozent. Diese Ergebnisse liegen deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Seit dem Jahr 2006 haben wir für die Mitralklappenchirurgie eine Fokusgruppe, die alle Prozesse optimiert: Von der Aufnahme der Patienten bis zu deren Entlassung. Die minimalinvasive Mitralklappenchirurgie ist hier in den letzten Jahren soweit entwickelt worden, dass inzwischen annähernd 80 Prozent der reinen Mitralklappenoperationen minimalinvasiv durchgeführt werden. Ein Qualitätsmanagementprogramm begleitet die minimalinvasive Mitralklappenchirurgie. Jährliche QM-Analysen mit entsprechenden Publikationen sind selbstverständlich. Neben der Optimierung des Behandlungsprozesses, der in einen so genannten klinischen Behandlungspfad mündet, liegt das Augenmerk der Fokusgruppe auf der Weiterentwicklung der chirurgischen Techniken.

Aortenklappenchirurgie

Aortenklappenchirurgie

Aortenklappenerkrankungen sind meist degenerativer Natur und treten zunehmend in höherem Alter auf. Ist die Funktion der Herzklappen deutlich eingeschränkt und die Erkrankung kann nicht mehr medikamentös behandelt werden, muss chirurgisch behandelt werden. In der Herz- und Gefäß-Klinik umfasst unser Leistungsspektrum

  • den chirurgischen Aortenklappenersatz (konventionell und minimal-invasiv)
  • den kathetergestützten Aortenklappenersatz (TAVI)
  • die Aortenklappenrekonstruktion
  • die Aortenklappenoperation in Kombination mit Bypass-Operation.

Konventioneller Aortenklappenersatz

Der offene konventionelle Aortenklappenersatz ist bei Niedrig- und Mittelrisikopatienten die Therapie der Wahl. Vor allem Patienten mit einem hohen Verkalkungsgrad, asymmetrischer Verteilung, bicuspiden Klappenformationen (primär oder sekundär) profitieren von einem konventionellen Aortenklappenersatz. Das Verfahren liefert auch im Langzeitergebnis hervorragende Resultate.

TAVI

Bei der Transkatheter-Aortenklappenimplantation wird die neue Herzklappe mittels Katheter eingesetzt. Das Verfahren ist älteren und Hochrisikopatienten vorbehalten, die konventionell nicht mehr operiert werden könnten. Im eigens für das TAVI-Verfahren erbauten Hybrid-Operationssaal führen wir den Eingriff seit dem Jahr 2009 leitliniengerecht im Heart-Team zusammen mit der Klinik für Kardiologie durch. Inzwischen haben wir die Erfahrung von mehr als 1100 Eingriffen. In einer interdisziplinären Konferenz entscheiden wir gemeinsam im Heart-Team für jeden einzelnen Patienten, welches Verfahren individuell für ihn am besten geeignet ist.

Zum Download des aktuellen Leistungs- und Qualitätsberichts

Aortenklappenrekonstruktion

Bei der Operation an der Aortenklappe kann auch eine Rekonstruktion der verkalkten Klappe in Frage kommen. können wir Klappen auch reparieren. Kann die die patienteneigene Aortenklappe erhalten werden, profitieren davon vor allem Patienten, die jünger als 65 Jahre sind, weil eine mechanische Klappe und damit eine Blutgerinnungsplanung vermieden werden kann.

Aortenklappenoperation in Kombination mit Bypass-Operation

Operationen an der Aortenklappe werden auch in Kombination mit einer Bypass-Operation durchgeführt. Diese Eingriffe sind komplexe Operationen mit einem erhöhten Risiko für den Patienten. Das Durchschnittsalter der Patienten in unserer Klinik liegt für diese Operationsgruppe bei etwa 73 Jahren. Mit unserem optimierten operativen und postoperativen Management erreichen wir bei dieser komplexen Herzerkrankung gute Ergebnisse.

Aortenchirurgie

Aortenchirurgie

Bei Operationen an der aufsteigenden Aorta (Aorta ascendens) handelt es sich um sehr komplexe Eingriffe, bei denen die Aortenwurzel und die Hauptschlagader bis hin zu den Kopfarterien ersetzt werden. Hierzu sind verschiedene technische Besonderheiten zu beachten, insbesondere der Schutz des Gehirns vor Durchblutungsstörungen und Embolien. In den meisten Fällen handelt es sich bei den Erkrankungen der Aorta um aneurysmatische Erweiterungen als Folge einer altersbedingten Degeneration. Bei einigen jüngeren Patienten liegt eine Störung der Festigkeit der Aortenwand, wie z. B. beim Marfan-Syndrom, vor. Die Aortendissektion stellt eine Notfallindikation dar.

Operation an der Aortenwurzel

An der Herz- und Gefäß-Klinik Bad Neustadt sind für die Operation an der Aortenwurzel eigene Techniken entwickelt worden: Im Gegensatz zu den seit vielen Jahren kommerziell erhältlichen Gefäßprothesen mit industriell eingenähten künstlichen Herzklappen, nähen wir in Bad Neustadt diese Klappe während der Operation selbst in eine Gefäßprothese ein. Dies ermöglicht es uns, die modernste Klappe mit der modernsten Gefäßprothese zu kombinieren. Die besondere Operationstechnik sieht darüber hinaus vor, dass eine größere Klappe eingesetzt werden kann. Dies führt zu einer deutlichen Verbesserung der Hämodynamik.

Die biologischen Conduits haben den Vorteil, dass auf die Gabe einer Antikoagulation mit Marcumar verzichtet werden kann. Dies ist bei allen älteren Patienten ein entscheidender Vorteil. Hierfür kann auch eine so genannte „Stentless-Klappe“ (biologische Klappe) in eine Gefäßprothese eingenäht werden. Eine so hergestellte neue Aortenwurzel zeigt eine extrem gute Hämodynamik. Beide Verfahren gehört in Bad Neustadt inzwischen zum Standardverfahren.

Operationen am Aortenbogen

Technisch schwierig ist die Operation am Aortenbogen, da von hieraus die hirnversorgenden Arterien abgehen. Ein besonderes, in Bad Neustadt entwickeltes Protektionsverfahren wird heute zum Schutz des Gehirns vor einem Durchblutungsmangel eingesetzt. Hierdurch können wir auf eine komplette Unterkühlung des Patienten verzichten. Diese extreme Abkühlung des Körpers auf 19 bis 21 Grad Celsius war zuvor die einzige Schutzmaßnahme für die Zeit des Kreislaufstillstandes, der bei einer derartigen Operation unverzichtbar ist.

Inzwischen sind in Bad Neustadt mit der neuen Technik hunderte Patienten mit einer deutlich niedrigeren Komplikationsrate operiert worden. Nicht nur die Technik, sondern auch die Ergebnisse haben in den letzten Jahren international Beachtung gefunden.

Aortendissektion

Die akute Aortendissektion ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Sie hat eine sehr hohe Sterblichkeit. Einigen Studien zufolge überlebt weniger als die Hälfte der Patienten eine Woche nach Auftreten der Dissektion, wenn diese nicht operativ saniert wird. Die perioperative Mortalität (Sterblichkeit nach der Operation) wird in der Literatur immer noch mit über 15 Prozent angegeben.

Die wichtigste Maßnahme bei einer akuten Aortendissektion ist die schnelle Diagnose und die sofortige Verlegung in ein herzchirurgisches Zentrum. Hier wird die Operation nach entsprechend kurzer Vorbereitung eingeleitet. Dazu muss, wie an der Herz- und Gefäß-Klinik Bad Neustadt, rund um die Uhr ein Expertenteam zur Verfügung stehen, das die oft schwierige Operationstechnik beherrscht.

An unserer Klinik ist die chirurgische Behandlung der akuten Aortendissektion seit Jahren ein Behandlungsschwerpunkt. Die exzellente technische Ausstattung der Klinik für Radiologie sorgt für eine schnelle und exakte Diagnose. In der Klinik für Kardiochirurgie steht rund um die Uhr ein Expertenteam speziell für die Operation der Aortendissektion bereit. Diese Logistik und der Einsatz neuer Techniken, wie die selektive Hirndurchblutung, hat die Operation einer Aortendissektion in Bad Neustadt deutlich sicherer gemacht.

Herzunterstützungssysteme (VAD/Kunstherz)

Herzunterstützungssysteme (VAD/Kunstherz)

Etwa eine Million Menschen in Deutschland leiden an einer schweren Herzmuskelschwäche. Jährlich gibt es etwa 70.000 Neuerkrankungen. Die Herzmuskelschwäche kann akut durch einen Herzinfarkt, im Rahmen einer Herzoperation oder einer akuten Entzündung auftreten. Häufiger aber ist die chronische Herzinsuffizienz, die trotz optimaler Therapie mit Medikamenten in ein Herzversagen übergehen kann. Die Herzchirurgie hat für diese Situationen chirurgische Lösungen entwickelt. In Bad Neustadt verfügen wir über verschiedene Systeme für den akuten Notfall. Bei akutem Herz- oder Lungenversagen steht eine speziell ausgerüstete Herz-Lungen-Maschine zur Verfügung.

Das Thema fortgeschrittene bis Endstage Herzinsuffizienz verfolgen wir in unserer Klinik seit dem Jahr 2006 intensiv. Wir haben hierzu ein spezielles Programm etabliert. Jährlich bekommen bei uns etwa 20 Patienten ein Herzunterstützungssystem (VAD/Kunstherz). Mit einem Herzunterstützungssystem können Patienten bis hin zur Transplantation geführt werden. Hier arbeiten wir mit dem Universitätsherzzentrum Leipzig zusammen.

Herzunterstützungssysteme als Langzeittherapie

Patienten, für die eine Herztransplantation nicht in Frage kommen, können mit einem Herzunterstützungssystem als Langzeittherapie stabilisiert werden. Diese Systeme sind heute so weit entwickelt, dass sie eine sichere Handhabung der häuslichen Betreuung der Patienten erlauben. Die Patienten gewinnen so eine deutlich verbesserte Lebensqualität. Seit Einführung dieser Technik konnten wir in Bad Neustadt zahlreiche Patienten aus der akut stationären Behandlung in die Rehabilitation und nach Hause entlassen. Selbstverständlich sehen wir die Patienten regelmäßig zur Nachuntersuchung in der Klinik.

Herzschrittmacher und Defibrillationssysteme

Herzschrittmacher und Defibrillationssysteme

Seit Gründung der Herz- und Gefäß-Klinik werden Schrittmachersysteme in der Klinik für Kardiochirurgie implantiert. Dabei werden die meisten Herzschrittmacher in Deutschland nicht durch Herzchirurgen implantiert. Natürlich haben aber gerade diese eine ausgewiesene Expertise zur Implantation dieser Systeme. Das kommt bei technisch schwierigen Fällen auch den Patienten zu Gute.

An der Herz- und Gefäß-Klinik Bad Neustadt werden alle Defibrillationssysteme (ICD) implantiert, auch die sogenannten 3-Kammer-Schrittmacher und ICD-Systeme. Mit ihnen wird das Herz in der rechten Vorkammer und in beiden Hauptkammern stimuliert. Die Indikationen und folglich auch die Leistungen sind in den letzten Jahren für die Schrittmacher- und Defibrillationstherapie gestiegen. Jährlich werden zwischen 800 und 900 Schrittmacher- und Defibrillationssysteme in der Klinik für Kardiochirurgie implantiert. Die direkte postoperative Kontrolle der einwandfreien Funktion der implantierten Geräte erfolgt durch unsere Kollegen der Klinik für Kardiologie im Haus. Die weitere Kontrolle der implantierten Systeme erfolgt dann durch die kardiologische Praxis, bei der sich der Patient in Langzeitbehandlung befindet.

In der Schrittmacher- und Defibrillatortechnologie hat es in den letzten Jahren erhebliche technische Fortschritte gegeben. Verschiedene computergesteuerte Algorithmen können heute annähernd einen physiologischen Herzschlag mit Anpassung an Ruhe und Belastung nachbilden. Die Herz- und Gefäß-Klinik arbeitet mit allen namhaften Firmen, die Schrittmacher- und Defibrillatorsysteme herstellen zusammen. Die Geräteauswahl richtet sich nach der jeweiligen Indikation.